Paare mit Hintergedanken

16. Mai 2011, 17:52
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Wenn Uhrenhersteller und Kulturschaffende zusammenfinden, muss das nicht unbedingt ein Kontrastprogramm sein

Eigentlich bilden die proklamiert "freien" Künste und die ökonomisch orientierte Luxusartikelbranche zwei Welten, die ganz und gar nicht zusammenpassen. Oder doch? Bei genauerem Hinsehen lassen sich die Vorteile nicht wegleugnen, die beide Seiten genießen, wenn sie eine Partnerschaft eingehen. Ob es angeht, dass die Wirtschaft Kunst mitfinanziert oder nicht, ist eine Frage der Sichtweise. Ginge es nach jemandem wie Theodor W. Adorno oder Jürgen Habermas, kommt jedwede finanzielle Unterstützung vonseiten der Wirtschaft für Kulturschaffende einer feindlichen Übernahme gleich.

Doch wo beginnt der verruchte kommerzielle Eingriff? Bei einem Unternehmen, das 30 VIP-Arrangements reserviert, um Kunden einzuladen? Oder erst beim klassischen Sponsoring? Top-Manager, die in kulturellen Engagements zu Recht eine optimale Kommunikationsplattform für ihr Unternehmen sehen, müssen sich natürlich auch mit diesem Aspekt auseinandersetzen. Wenn sie sich als Förderer der Kunst präsentieren, distanzieren sie sich selbstverständlich von jeglicher Einflussnahme auf die - dank ihrer monetären Unterstützung - kreativ Tätigen.

Imagepflege und Umsatz-Plus

In vielen Bereichen hat sich die Kunst längst entschieden. Man will eben nicht auf Projekte verzichten, die nur durch die finanzielle Unterstützung der Wirtschaft durchführbar sind. In der Praxis haben sich die beiden Bereiche also längst angenähert. Wer sich noch immer daran stößt, sollte einmal über die Kommerzialität von Kultur an sich nachdenken. Seitenblicke, Chili und Co berichten ausführlich über sogenannte "Side Events", die im Salzburger Sommer über die Bühne gehen. Es gibt eben viele, die - zweifellos rein kommerziell - am fetten Festspielkuchen mitnaschen möchten.

Warum sich gerade die Elite der Uhrenhersteller so gerne im kulturellen Umfeld präsentiert, liegt auf der Hand. Man profitiert von der medialen Aufmerksamkeit und erreicht eine entsprechend kaufkräftige Zielgruppe mit hohem Bildungsniveau. Die Ziele sind klar abgesteckt und für jedermann nachvollziehbar: Imagepflege und ein entsprechendes Umsatz-Plus. Die Tatsache, dass solche Strategien im kulturellen Umfeld nicht einmal hinter vorgehaltener Hand zugegeben werden dürfen, hält niemanden davon ab, in kulturelle Aktivitäten zu investieren.

Zur Rechtfertigung werden gerne die Gemeinsamkeiten von Zeitmessung und Kunst zitiert. Die vierte Dimension stellt für Kunstschaffende seit jeher eine spannende Herausforderung dar. Ob Kurzfilm oder Blockbuster, Theaterstück oder Roman - in nahezu jedem kulturellen Bereich ist der Lauf der Zeit und deren notwendige Komprimierung auf einen darstellbaren Wert ein wesentlicher Faktor. Nicht selten fungiert die Zeit sogar als grundlegende Inspirationsquelle. Phileas Foggs Reise in 80 Tagen um die Welt gelang überhaupt nur aufgrund des durch die Erdumrundung entstandenen Zeitguthabens. Und dem guten Dorian Gray hätte ein "Ewiger Kalender" an seinem Handgelenk vielleicht früher vor Augen geführt, dass kein noch so perfektes Bildnis den Lauf der Zeit tatsächlich aufhalten kann.

Verbindungselement Handwerk

Dazu kommt noch die künstlerische Komponente, die gerade bei jenen Uhrenmarken stark ausgeprägt ist, die sich gerne in kulturellem Umfeld präsentieren. Der Uhrmacher, der Edelsteinfasser, der Graveur, der Emailleur - sie alle sind Kunsthandwerker im wahrsten Sinne des Wortes. Somit ist die Verbindung zur Kultur vor allem für traditionsreiche Uhrenmanufakturen stimmig. Für die Künstler sind solche Kooperationen erst dann interessant, wenn sie nicht nur als Plattform für eine breite mediale Aufmerksamkeit benutzt werden, sondern vonseiten der Wirtschaft auch in die Förderung junger Talente investiert.

Reines Sponsoring ist im kulturellen Bereich nicht genug, bestätigt auch Lutz Bethge, CEO von Montblanc International: "Langfristige Partnerschaften und gemeinsame Projekte entstehen aus gegenseitigem Respekt vor der Leistung des anderen." Montblanc versteht sich als Kunstmäzen und Networker, der Künstler aus verschiedensten Bereichen zusammenbringt und damit den kulturellen Austausch fördert. Hier hat die Verbindung zur Kultur (seit 1987) bereits eine längere Geschichte als der Uhrenbau selbst. Das liegt daran, dass der renommierte Schreibgerätefabrikant Zeitmesser erst seit 1997 im Produkt-Portfolio hat. Seit 2002 unterstützt Montblanc das "Young Directors Project" bei den Salzburger Festspielen. Durch diesen Wettbewerb sollen dem Festspielpublikum internationale Regisseure vorgestellt werden, die an der Schwelle zum großen Durchbruch stehen.

Cineastische Zusammenarbeit

Ein ähnliches Projekt entstand durch die seit 1998 bestehende Partnerschaft zwischen Chopard und dem Internationalen Filmfestival in Cannes: Bereits zum elften Mal wird heuer die "Trophée Chopard" vergeben - ein begehrter Preis für Nachwuchsschauspieler und eine große Verantwortung für den Mäzen: "Es war oft schwierig, eine Wahl zu treffen, wer zu nominieren ist, wer Talent hat, das es zu fördern gilt", erinnert sich Caroline Gruosi-Scheufele, Co-Präsidentin von Chopard. In den letzten Jahren ist das allerdings gut gelungen, denn Schauspieler wie Marion Cotillard, Audrey Tautou, Rodrigo Santoro oder Diane Kruger haben danach Karriere gemacht. Für die Nachwuchsstars bedeutet der Preis viel, da zahlreiche Medien über die Preisverleihung berichten. Die 11. Trophée Chopard findet am 14. Mai unter der Schirmherrschaft von Robert De Niro statt.

Eine weitere fruchtbare cineastische Zusammenarbeit besteht zwischen Jaeger-LeCoultre und den ältesten Filmfestspielen der Welt, "La Mostra" in Venedig, wo die Uhrenmanufaktur seit sechs Jahren den "Jaeger-LeCoultre Glory to the Filmmaker Award" verleiht. Der Preisträger 2011 steht bereits fest: Kein Geringerer als Al Pacino wird am 4. September in Venedig den Award und eine personalisierte, mit dem berühmten goldenen Löwen gravierte Reverso entgegennehmen. Er ist zwar schon lange kein Nachwuchstalent mehr, doch über das tickende Unikat wird er sich wohl trotzdem freuen. (Ines B. Kasparek/Der Standard/rondo/13/05/2011)

  • Junge Regisseure rittern um einen Füller: Darum geht es beim Young Directors Project von Montblanc bei den Salzburger Festspielen. Hier "Fünf Tage im März" (2008).
    foto: hersteller

    Junge Regisseure rittern um einen Füller: Darum geht es beim Young Directors Project von Montblanc bei den Salzburger Festspielen. Hier "Fünf Tage im März" (2008).

  • Die Trophée Chopard wird am 14. Mai verliehen.
    foto: hersteller

    Die Trophée Chopard wird am 14. Mai verliehen.

  • Die personalisierte Reverso kriegt heuer Al Pacino.
    foto: hersteller

    Die personalisierte Reverso kriegt heuer Al Pacino.

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