Schuh ahoi!

3. April 2011, 17:32
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In regelmäßigen Wellen wird der Bootsschuh zum Must-have der Saison

Die erste Masche ist auch die letzte. Man ziehe die Lederbändel des Bootsschuhs fest und springe ins nächstgelegene Wasser. Hernach nichts wie ab in die Sonne. Dieser bootsschühliche Initiationsritus passt den Schuh dem Fuß an und festigt die Masche. Im Idealfall muss diese nie wieder gebunden werden, und der Schuh wird durch den Hupfer ins Nass zum Dauerslipper. Dieses Ritual ist der optimale Beginn eines Bootsschuhlebens, das man dem Schuh ansehen soll, so wie dem Seebären die sieben Weltmeere. Das weiß auch Sebago, der Hersteller klassischer Docksides in Mokassin-Art, der einst mit einem ausgelatschten Schuh warb, der mehr an Captain Baines nach dem Landgang erinnerte als an ein hippes Lifestyleprodukt. Sebagos Slogan: "Wie bei älteren Männern - ihr Charme liegt in ihren Falten."

Aber es geht natürlich auch anders: Genauso wenig wie man die Fertigkeit besitzen muss, eine Kuh fangen zu können, um in Cowboystiefeln zu schreiten, oder den Pilotenschein braucht, um eine Fliegeruhr zu tragen, muss der Träger von Bootsschuhen wissen, wo auf einem Schiff vorn und hinten ist.

In Wellen, die nicht das Meer, sondern die Mode diktiert, wandelt auch die wasserscheueste Landratte immer wieder gern auf Sohlen, die nach der großen Freiheit riechen. Apropos: Socken und Bootsschuhe lässt man auch aus stilistischen Gründen bleiben.

Furchenstruktur der Pfoten des Cockerspaniels

Seit den 1980er-Jahren sind Bootsschuhe, die in erster Linie guten Halt auf dem nassen und glatten Bootsdeck geben, schnell trocknen und ja nicht abfärben sollen, zu einer unschnöseligen Version kommoder Schuhe geworden, in die man schnell reinschlüpft. Von Crocs, die ursprünglich als Bootsschuhe konzipiert wurden, sehen wir an dieser Stelle ab.

Der klassische Bootsschuh, der den Canvas-Patschen ablöste, wurde im Jahr 1935 von Paul Sperry entwickelt. Angeblich übertrug er die Furchenstruktur der Pfoten seines Cockerspaniels auf die Schuhsohlen. Konkurrenz gab es später unter anderem von Henry Lloyd, Sebago oder Timberland, und schon bald wurde der Klassiker auch in allerlei Farben gefertigt. Doch das war nicht das Ende des Fahnenmasts. Timberland verpasste dem Segelschuh fette Bergsteigersohlen - somit war, passend zur Burberry-Jacke, die Übergangszeiten-Uniform für Jus-Studenten erschaffen. Auch der Versuch, aus dem Klassiker einen Schnürstiefel zu machen, geht immer wieder in die Hosen (z. B. bei Bottega Veneta). Ganz zu schweigen von dreisten Farbexperimenten, allerlei Bändelwerk und Materialien, die mit einem Segelboot so viel zu tun haben wie ein Wüstenschiff.

"Sport der Könige"

Markentechnisch schwappte die Welle der Bootschuhe abgesehen von Sportswear-Erzeugern wie North Sails, Murphy & Nye, Helly Hansen oder Puma längst auch in die Auslagen der Boutiquen von Tod's, Prada oder Louis Vuitton, denn das Image rund um den "Sport der Könige" birgt von jeher ein hohes Potenzial an Schick. Auch Codes wie Lässigkeit, Raubeinigkeit, und ein starkes Signal von Sportlichkeit, ziehen an der Ladenbudel nach wie vor.

Profisegler haben mit Life-Style-Victims übrigens einiges gemein. Auch sie tragen den klassischen Bootsschuh nur noch zum Sundowner am Pier, bestenfalls zu einer Sonntagsausfahrt rund um den Leuchtturm. Deren Füße stecken heute in Schuhen aus unaussprechlichen Hightech-Materialien, die eher an Flash-Gordon-Stiefelchen erinnern als an den guten alten Bootsschuh.

Apropos: Eingangs erwähnter Initiationsritus funktioniert auch in der Badewanne. (Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/01/04/2011)

  • Zahlreiche Hersteller bieten abgewandelte Modelle an: Segelschuh von Ludwig Reiter
    foto: ludwig reiter

    Zahlreiche Hersteller bieten abgewandelte Modelle an: Segelschuh von Ludwig Reiter

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