Grut und gut

21. Jänner 2011, 17:23
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Conrad Seidl über Biere, die ohne Hopfen gebraut werden und doch bitter schmecken.

Die meisten erfahrenen Bierliebhaber lieben am Bier das, was aus dem Hopfen kommt - sie unterscheiden sich damit markant vom Durchschnittskonsumenten "Joe Sixpack", der von seinem Allerweltsbier nicht mit ausgefallenen Geschmackseindrücken belästigt werden will. Da treffen sich die Interessen von Massenproduzenten und Konsumentenmasse: Großbrauereien sparen gerne am Hopfen, weil dieser teuer ist - und weil sich seine Aromen durch Alterung, Oxidation und Lichteinfluss verändern. Stabile Massenbiere enthalten daher wenig Hopfen und wenig Bittere.

Experten aber lieben stark gehopfte Biere, eben weil sie anders sind. Und dann bekommt man ein Bier serviert, das überhaupt keinen Hopfen hat. "Gruut" heißt es und wurde zuletzt auf der Ferienmesse ausgeschenkt: Es kommt aus der Stadtbrauerei von Gent und erinnert an das alte "Grutrecht", das die mittelalterlichen Städte ausgeübt haben. Seinerzeit wurden nämlich (je nach Stadt unterschiedliche) Gewürzmischungen, die "Grut", von der jeweiligen Gemeinde als Bierzutat vorgeschrieben und nach kräftiger Besteuerung vom Gruthaus an die Brauer verkauft. Das Ergebnis ist ebenfalls leicht bitter, hat aber Gewürz- statt Hopfenaromen. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/21/01/2011)

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  • "Gruut" heißt es und es 
kommt aus der Stadtbrauerei von Gent.
    foto: hersteller

    "Gruut" heißt es und es kommt aus der Stadtbrauerei von Gent.

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