Cannes, gut und billig

26. August 2010, 17:25
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Dass das Essen in Frankreich gut, aber sauteuer ist, sei bloß ein Gerücht, behauptet Alexander Rabl als Gourmet ohne Budget

Wenn Sie die Marktstandler im Marché de Forville in Cannes an einem sonnigen Vormittag zum Weinen bringen wollen, dann erzählen Sie ihnen einfach, was die Dinge, die hier feilgeboten werden, auf einem Markt in Österreich kosten. Denen werden die Tränen kommen, man wird Sie mit perfekt gereiften Melonen und Kirschen trösten wollen, man wird Sie zu sich nach Hause einladen. Der Fischhändler wird Ihnen eine Probe des Tagesfangs schenken: frisches Meereszeug zu Preisen aus der Zeit vor Atlantis.

In Frankreich, zahlt man sogar an der teuren Côte d'Azur für die beste Qualität Preise, die es auch uns in Österreich leichtmachen würden, daheim jeden Tag wie Gott zu kochen und zu essen. Maître Ceneri, der berühmteste Affineur des Südens, der in der Rue Maynardier einen kleinen Laden betreibt, würde sich wundern, wenn er wüsste, wie in Wien Brebis, Beaufort oder Chèvre mit Gold aufgewogen werden. Ein Einkauf für vier Personen in Cannes - macht zehn Euro und ein paar Zerquetschte.

Bodenverhaftetes Provencefutter

Aber die Restaurants, sagen Sie jetzt, die Restaurants sind doch so furchtbar teuer! Wir aber sagen Ihnen: Das stimmt so nicht so ganz. Und spazieren an dem kleinen Bistro "Aux Bons Enfants" vorbei, das gleich neben dem Geschäft von Maître Ceneri liegt und wo man um lächerliches Wechselgeld bodenverhaftetes Provencefutter aufgetischt bekommt (kein Telefon, kein Internet). Wir wandern weiter in die kleine Rue St-Antoine, ins alte Cannes, wo ein reizendes Restaurant neben dem anderen liegt und die Preise vielleicht gerade deshalb so günstig sind.

Der beste Betrieb ist seit mehr als zwei Jahrzehnten das in den Felsen gehauene "Relais de Semailles". Menü dreißig Euro. Inklusive Blick auf die skurrilsten Gestalten der Welt, Besucher und Einwohner, die das kleine Gässchen hinauf- und hinunterklettern. Mutter und Tochter in Tigerkostümen zum Beispiel, und mörderischen High Heels, zwei alt gewordene Prostituierte, die zum Bild der Stadt gehören, seit die Leute denken können. Heute zählen sie zu den allseits akzeptierten Gästen auf den besten Partys entlang der Croisette.

Große Dinger aus dem Meer

Im "Relais" gibt es als Tagesangebot eine Soupe de Poisson de Roche, passierte Suppe aus Felsenfischen. Die Patronne, die früher einmal sehr schön gewesen sein muss, schenkt aus einem großen Topf ein. "Ça ne vient pas de la boîte" sagt sie. Keine Dosensuppe. Der Fisch kommt mit Artischocken à la barigoule und schmeckt wunderbar. Ein paar Schritte weiter in Richtung Rathaus ist die Soupe de Poisson allerdings noch viel, viel besser. Bei "Astoux & Brun" gibt es außerdem die großen Dinger aus dem Meer, die Langusten, die Krabben, Austern in allen Größen (der Liebhaber bevorzugt die kleinen Formate) neben den winzigen Meeresschnecken auf einer Platte. Das ist gut. Und billig. (Alexander Rabl/DER STANDARD/rondo/27/08/2010)

Astoux et Brun
Angle 27, rue Félix Faure et 2, rue Louis Blanc
Tel. : +33 4 93 39 21 87

Le Park 45
45 bd de la Croisette
Tel.: +33 4 93 39 76 19

Le Relais de Semailles
9 Rue Saint-Antoine
Tel.: +33 4 93 39 22 32

Aux Bons Enfants
80 rue Meynadier

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