Chez Fuchs & Hase

25. Juni 2010, 16:43
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Sachen gibt's: Zwei Franzosen eröffnen in der tiefen burgenländischen Provinz eine Brasserie mit tollem, günstigem Essen - und ganz herausragenden Desserts

Wie immer, wenn es Grund zur Freude gibt, hat Liebe ihre Hand im Spiel. Yannick Ferraton ist gebürtiger Bretone und kam nach Österreich, weil das Hotel Sacher jemand brauchte, der Nachspeisen zubereiten kann. Ferraton war da einige Jahre Chefpatissier, über die Sachertorte will er nichts sagen - außer, dass er mit deren Produktion "zum Glück" nichts zu tun hatte. Dafür lernte er seine Frau in Österreich kennen, ihre Heimat Pöttsching wurde auch sein Zuhause. Als das Wirtshaus im Meierhof der Ortschaft einen neuen Pächter brauchte, schlug Ferraton zu.

Und zwar, um gemeinsam mit dem Pariser Küchenchef Matthieu Marchon endlich die Küche anzubieten, die er in der hiesigen Restaurantlandschaft vermisst: jene der volkstümlichen französischen Brasserien. Von Paris bis Tokio wird ihr Variantenreichtum geliebt - einzig die Österreicher, so scheint es, verweigern sich ihr mit geradezu verstockter Ignoranz. Ob Pöttsching im Burgenland der ideale Ort ist, um die längst fällige Reconquista zu starten, darf angezweifelt werden.

Entzückender Innenhof

Das ahnen die beiden freilich auch, weshalb sie "Le Meierhof", wie das Lokal mit dem entzückenden Innenhof nicht ohne Ironie geheißen wurde, nicht nur auf französische Küche fokussiert haben. Sondern - für einen Patissier durchaus logisch - auch als französischen Eissalon, in dem wahre Herrlichkeiten zu mehr als kulanten Preisen feilgeboten werden. Nur so viel: Besseres Cassis-Sorbet, besseres Pistazieneis mit Pistazienkrokant, besseres dunkelschwarzes Kakaosorbet (sic!) wird man landauf und -ab nirgends finden. Die Warteschlangen am Samstagnachmittag zeigen, dass das die Pöttschinger Jugend durchaus genauso sieht.

Aber auch das Essen ist mehr als beachtlich: Kurz gegrillte Jakobsmuscheln auf gehobeltem Fenchel mit zart zitrusfruchtiger Kernölvinaigrette sind eine wunderbar leichte, frische Vorspeise - und sollten, bei drei ausgewachsenen Muscheln um neun Euro, selbst notorische Preis-Leistungs-Esser erfreuen. Oder würzige Quiche Lorraine mit käsesatter Fülle und zartbutterigem, herrlich bröseligem Boden um magere 4,60 Euro.

"Wir wollten mit dem Vorurteil aufräumen, dass französische Küche nur teuer sein kann", sagt Matthieu Marchon. Hauptspeisen werden täglich variiert, dafür gibt es auch nur zwei. Rotbarschfilet, knusprig und saftig, wird auf sautiertem Gemüse - Patissons, Zucchini, Fisolen, Eierschwammerl und Radieschen - von außergewöhnlicher Frische und Knackigkeit serviert, sehr gut. Lammkrone, kräftig und doch zart gebraten, bekommt Artischockenherzen, Erdäpfel und ganz jungen Spinat zur Seite gestellt, ganz köstlich. Wer danach keinen Platz fürs Dessert mehr hat, dem ist nicht zu helfen: Allein für das herrlich saftige Baba au rhum mit vanillesattem Schlagobers lohnt sich die Anfahrt jederzeit. (Severin Corti/Der Standard/rondo/25/06/2010)

Brasserie Le Meierhof
Hauptstr. 1
7033 Pöttsching
Tel.: 0676/750 02 22
Mi-Mo 11.30-23 Uhr
VS EURO 1,50-10,20 HS EURO 10,20-15,40

Fotos: Gerhard Wasserbauer

  • Zwei Frenchies im Burgenland: Yannick Ferraton (li.) und Matthieu Marchon vor ihrer zauberhaften Brasserie "Le Meierhof" in Pöttsching.
    foto: gerhard wasserbauer

    Zwei Frenchies im Burgenland: Yannick Ferraton (li.) und Matthieu Marchon vor ihrer zauberhaften Brasserie "Le Meierhof" in Pöttsching.

  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
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