Jäger des verlorenen Schnäppchens

18. März 2010, 16:36
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Die Schnäppchen im Ausverkauf und in den Outlets von L.A. ergattert nur, wer sich gut vorbereitet - Doris Rothauer verrät, wie das am besten geht

"Saturday Sale - L.A.s biggest Sample Sale" steht auf einem handbemalten Straßenschild vor dem Eingang zum California Market Center. Das 13-stöckige Gebäude mit seinen rund 1000 Showrooms liegt im sogenannten Fashion District in Downtown L.A., dem größten Umschlagplatz für die Bekleidungsindustrie der US-Westküste. Es ist eine urbane Wüste, die sich über 90 Häuserblöcke erstreckt, dominiert von alten Lagerhallen, barackenartigen Geschäften und Outlets sowie riesigen Baulücken, die zumeist als bewachte Parkplätze dienen.

Zugänglich ist das California Market Center grundsätzlich nur für Großhändler, kaufwütige Endverbraucher müssen auf den allsamstäglichen "Saturday Sale" warten. Dafür winken dann 50 bis 70 Prozent Reduktion auf Designerware. Der als der stadtgrößte Sample Sale angekündigte Samstag-Abverkauf entpuppt sich aber als Enttäuschung. In dem riesigen Gebäude sind sämtliche Stockwerke abgesperrt, nur vor einer Rolltreppe in den Keller steht ein kleiner Empfangstisch, an dem ein Dollar Zutrittsgeld kassiert wird. Den Weg hinunter tritt man über die Rolltreppe zu Fuß an, da diese nicht in Betrieb ist. In zwei riesigen, kalten Hallen, die wie im Rohbau wirken, stehen beladene Kleiderständer kreuz und quer verstreut, am Rande hie und da einmal eine improvisierte Garderobe. Das meiste, das hier angeboten wird, scheint von Do-it-yourself- Designern zu sein. Dazwischen findet man schon einmal eine Stange mit Donna-Karan-Einzelstücken, aber auch einen durchaus begehrenswerten Burberry-Flanell-Karo-Mantel um wohlfeile 399 Dollar statt angeblicher 1699 oder ein kleines Schwarzes von Diane von Fürstenberg um 35 statt 350 Dollar.

Schnäppchenjäger brauchen also Zeit und Ausdauer, um immer wieder zu kommen und alles zu durchforsten - vor allem aber brauchen sie die richtigen Informationsquellen und Tipps. Die sind leider für den angereisten Stadttouristen im Reiseführer, der einen Besuch im Fashion District empfiehlt, nicht zu bekommen. Man wird zumeist in die Santee Alley und umliegenden Straßen geschickt, wo einen Bazar-Atmosphäre erwartet. Die Schnäppchen sind Converse Sneakers um 29 Dollar, der überwiegende Teil der angebotenen Ware sind Fälschungen.

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Die wirklich guten Sample Sales und Retailer Outlets sind unter Fashionistas heiß gehandelte Geheimnisse. Zudem sind sie nur an bestimmten und auch dann nur an wenigen Tagen offen, zum Beispiel jeden letzten Freitag im Monat, wo einige der High-End-Großhandelsplätze ihre Pforten für den normalsterblichen Konsumenten öffnen. Ein erfolgreicher Shopping-Trip nach L.A. beginnt also bereits bei der richtigen Terminplanung. Auf der offiziellen Homepage des Fashion District findet sich neben einem interaktiven Stadtplan, der auch alle Parkplätze, Toiletten sowie Bankomaten in der Umgebung listet, eine Podcast Shopping Tour zum kostenlosen Download. Wöchentlich aktuelle Termine und Tipps für Sales verrät die Website des Magazins FashionLA. Unter Insidern ist Suzanne O'Connors Blog und Online-Guide "BargainsLA" eine gute Quelle. In ihrer Rubrik "Bargain Basics" weiht sie zudem in die "Does and Don'ts" ein.

Ein absolutes Highlight ist das Stoffparadies von Michael Levine, einem Traditionsunternehmen, das auf knapp 2000 Quadratmetern Designer- und Dekorstoffe aus aller Welt zu grandiosen Preisen anbietet. Eine weitere reiche Inspirationsquelle für Designer ist der Fashion Bookstore im California Market Center. Neben einer unglaublichen Auswahl an internationalen Modemagazinen, Look Books, Nähanleitungen und anderer Fachliteratur kann man sich hier seinen eigenen Schnitt anfertigen lassen. Man gibt einen Entwurf ab, der Computer spuckt das entsprechende Schnittmuster aus. Neben dem California Market Center ist der Cooper Design Space im berühmten Cooper Building, einem architektonischen Landmark aus den 1920er-Jahren, die zweite Top-Adresse für Designer-Studios und -Showrooms. Im Erdgeschoß hat vor kurzem ein Straßenlokal eröffnet, das Marken-Einzelstücke aus Lagerbeständen und Musterkollektionen mit 60 bis 90 Prozent Ermäßigung abverkauft. Fans von Streetwear werden zumindest an zwei Top-Adressen reich belohnt. Die kultigen Röhrenjeans des L.A.-Labels J Brand gibt es mit hohen Preisreduktionen im hauseigenen J Brand Factory Outlet, wo die Ware gleich direkt aus der Produktionsstätte nebenan kommt. Das ebenfalls in L.A. ansässige Label American Apparel hat einen Outlet Store in seiner gigantischen Backsteinfabrik am Rande des Fashion Districts, wo 4000 Mitarbeiter auf über 20.000 Quadratmetern an der gesamten Produktions- und Distributionskette arbeiten. Auf jeden Fall sehenswert! (Doris Rothauer/Der Standard/rondo/19/03/2010)

Die Shopping-Adressen
Michael Levine: 920 S. Maple Avenue (zwischen 9th Street and Olympic Boulevard)
www.mlfabric.com

Stoffe und Kurzwaren:
The Fashion Bookstore
California Market Center
110 East 9th Street
www.thefashionbookstore.com

Magazine und Literatur zur Mode:
The Store (at the Cooper Bulding)
721 S. Los Angeles Street / 9th Street
Designer Outlet Boutique
J Brand Factory Outlet
1225 E. Washington Boulevard
Outlet J Brand: American Apparel Community Store, 747 Warehouse Street
Outlet im Fabriksgebäude von American Apparel
www.fashiondistrict.org
www.californiamarketcenter.com
www.fashionweekla.com
www.fashionla.com
http://www.bargainsla.com

  • Die wirklich guten Sample Sales sind nur an bestimmten und wenigen Tagen offen.
    foto: doris rothauer

    Die wirklich guten Sample Sales sind nur an bestimmten und wenigen Tagen offen.

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