So tickt die Frau

26. November 2009, 17:00
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Von neuen Uhren für die Frau berichtet Gisbert L. Brunner, der weiß, dass letztendlich dem weiblichen Geschlecht die Genese und Verbreitung der Armbanduhr zu verdanken ist

Philippe Stern ist ein Gentleman der alten Schule. Als solcher lässt er Damen selbstverständlich gern den Vortritt. Im Zusammenhang mit der tickenden Kreation namens CH 29-535 PS hat die Genfer Nobelmarke Patek Philippe besagte Höflichkeitsattitüde ihres kürzlich aus Altersgründen emeritierten Präsidenten wortwörtlich genommen. "Ladies First" bringt das lange erwartete Handaufzugswerk aus eigener Manufaktur nämlich in sehr femininer Weise zu Geltung.

Die Kaliberbezeichnung ist bei Patek Philippe traditionsgemäß Botschaft. So auch hier. CH steht für Chronograf, PS meint eine kleine Sekunde. Die Zahlen dazwischen signalisieren einen eher maskulinen Durchmesser von 29 mm und 5,35 mm Höhe.

Geschützt durch sechs Patente

Der Newcomer mit vier Hertz Unruhfrequenz und einer klassischen Breguetspirale wird das legendäre, aber teilweise zugekaufte CH 27-70 ablösen. Auf den ersten Blick repräsentiert das 269-Komponenten-OEuvre jede Menge Tradition. Bei näherer Betrachtung steckt es aber voller Innovation, geschützt durch sechs Patente. Das Überlieferte verkörpern unter anderem Schaltradsteuerung für Start, Stopp und Nullstellung, Räderkupplung mit geometrisch optimal positioniertem Schwenkhebel und uhrmacherische Feinbearbeitung auf höchstem Niveau. Die hier unverzichtbaren Kupplungsräder besitzen eine intelligente Verzahnung für gleichförmige, energieeffiziente Bewegung des Chronografenzeigers. Die Eingriffstiefe des Kupplungshebels definiert eine leicht exzentrische Form der drehbaren Kappe auf dem Schaltrad. Neu ist auch die zweiteilige Gestalt des rubingelagerten Nullstellhebels. Dieser arbeitet auch ohne diffizile Justage dauerhaft extrem präzise. Neu sind ferner die Mechanik für den akkurat mit minimaler Toleranz springenden Minutenzähler und die stets heikle Nullstellung des langen Chronografenzeigers. Die Techniker haben hierfür ein ausgeklügeltes System ersonnen, das den zentralen Stoppzeiger wieder exakt senkrecht stellt. Zuvor mussten er und der Totalisator natürlich angehalten und in ihrer letzten Position arretiert werden. Und hier findet sich ebenfalls Neues in Gestalt einer kongenialen Zwangssteuerung der zugehörigen Blockierhebel. Einen Unruhstopp zum sekundengenauen Einstellen der Uhrzeit bietet das CH 29-535 anspruchsvollen Damen ebenso wie beruhigende 65 Stunden Gangautonomie und die exklusive Patek-Philippe-Qualitätspunze. Die Herren kommen erst nach der Baselworld im kommenden Jahr zum Zuge.

Klares Design und funkelnde Steine

Nicht minder verführerisch präsentiert sich der "Big Bang Apple" von Hublot. Auch hier bekommen Damen einen Mechanikchronografen. Ums regelmäßige Aufziehen müssen sie sich freilich nicht kümmern. Beim bewährten Kaliber HUB 4300, dessen Basis von Valjoux stammt, ist ein Rotor fürs regelmäßige Spannen der Zugfeder zuständig. Den verführerisch grünen Farbakzent des weitgehend kratzfesten Keramikgehäuses liefern die mit 48 Tsavorit-Baguetten ausgefasste Lünette, das ebenfalls grüne Composite-Harz-Mittelteil und ein passendes Krokoband mit einer Kautschukschicht auf der Innenseite. Die Wasserdichtigkeit reicht bis 100 Meter. Klassische Mechanik mit Automatikchronograf, klares Design und funkelnde Diamanten vereinigt der "TimeWalker Chronograph Diamonds" von Montblanc in sich. Nach außen wirkt das 43 mm große Rotgoldgehäuse, dessen Glasrand 72 Top-Wesselton-Brillanten von rund 1,16 Karat trägt. Das funktionale Innenleben mit Stoppfunktion und Totalisatoren für Minuten und Stunden hat seine Präzision beim offiziellen Chronometertest unter Beweis gestellt.

Feuertaufe im Ärmelkanal

Wenn Geldentwertung droht, bieten sich hier Anlegemöglichkeiten. Piaget bietet eine Uhrkreation mit dem hauseigenen Quarzwerk 690P und optisch eher hintergründiger Zeitdimension. Die runde Haute-Joaillerie-"Limelight" mit klassisch rundem Gehäuse besticht durch 537 Brillanten und Diamanten im Princess-Schliff. Insgesamt 40 Karat kommen so zusammen. Die Anfertigung des Armbands aus Gold und Diamanten verlangt höchste Handwerkskunst. Als Prachtstück sei hier auch die Omega-"Constellation Quadrella High Jewellery" mit ihren 1724 Diamanten in verschiedenen Größen genannt.

Die "Oyster" ist sowieso eine primär weibliche Angelegenheit. Rolex hob sie einst explizit für Frauen aus der Taufe. Und ihre Bewährungsprobe bestand diese Armbanduhr 1927 am Handgelenk der Kanalschwimmerin Mercedes Gleitze. Im Jahre 1946 debütierte der Bestseller "Oyster Perpetual Datejust" mit Fensterdatum, Manufakturautomatik und Chronometerzeugnis. Diese Legende erreicht 2009 mit der neuen 36-Millimeter-Version einen vorläufigen Höhepunkt. Damen können zwischen verschiedenen "Rolesor"-Varianten wählen, deren Gehäuse aus Edelstahl und Weiß- oder Rotgold besteht. Auch eine Brillantlünette ist erstmals zu haben. Das ist Evolution im Sinne der Damenschaft, der nicht weniger als die Genese und Verbreitung der Armbanduhr zu verdanken ist. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/27/11/2009)

Die weiblichen Seiten der Zeit, von oben nach unten: Rolex, Piaget, Patek Philippe, Omega, Montblanc und Hublot.

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    foto: hersteller
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