Egal was nehmen

27. November 2009, 09:55
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"In des Wolfes Spuren ist der Schafe Segen, aber in des Schweines Spuren Unglück"

"Wer früh aufsteht, sammelt doppelt so viel Glück", sagte Zora, die wieder einmal viel zu viel Energie hatte und auf die Hügel über der Stadt stapfte, die unter weißen Schleiern verschwand, auf denen die Sonne liegen blieb. "Unglück kommt unangekündigt", antwortete Leslie, die frühes Aufstehen hasste, aber nichts gegen Zoras "Wir machen heute einen Ausflug"-Aufwecktelefonate machen konnte, als ihre Boots anzuziehen, mitzustapfen und über den Nebel zu maulen.

Yvonne, die nur schlecht schlafen konnte, weil sie schon zu schwanger war, hatte sich zwischen ihren Freundinnen eingehakt, ließ sich den Hügel hinaufschleppen und untersuchte die Abdrücke auf dem erdigen Weg: "In des Wolfes Spuren ist der Schafe Segen, aber in des Schweines Spuren Unglück", sagte sie knapp, aber bestimmt. "He, ich zeige dir den Wolf, und du fragst, wo die Spuren sind?", fragte Zora erbost. "Sag, was du gerne hättest, aber nimm getrost auch, was du nicht magst!", antwortete Yvonne.

"Warum eigentlich?", fragte Zora. "Wie warum eigentlich?", fragte Yvonne. "Warum eigentlich soll ich getrost auch nehmen, was ich nicht mag?", insistierte Zora. "Das ist ein albanisches Sprichwort", erklärte Yvonne. "Albanische Sprichwörter sind gerade jetzt besonders wichtig, um glücklich zu werden. Sie wollen dir sagen, dass du alles tun kannst, falls du überhaupt etwas tun kannst, und dass fast alles wenig Unterschied macht. Wichtig ist nur, dass du nicht zu viel Angst hast, etwas falsch zu machen oder zu verlieren. Denn wer eine Glaskugel in der Tasche hat, fürchtet sich sogar vor Ameisen." (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/27/11/2009)

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    Denn wer eine Glaskugel in der Tasche hat, fürchtet sich sogar vor Ameisen.

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