Selbst anbauen

22. Oktober 2009, 16:24
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Die Beilage des Huhn - Oder: Der Gott der Mäuse

+++Pro
Von Ute Woltron

Erdäpfelsterz und Karottenstrudel, Topinambursuppe und Saubohnensauce. Alles schön und gut, und im besten Fall natürlich aus dem Mulch des eigenen Gartens gesprossen. Doch was dazu noch fehlt, ist der rechte Braten. Zumindest ab und an und nicht zu klein sollte er schon sein. Moralische Schwierigkeiten stehen zwischen ihm und mir. Und zwar nicht meine, sondern die der anderen. Denn dieser Tage erreichen die Hühner auf der Wiese hinter dem Gemüsegarten gerade ungefähr die Drei-Kilo-Marke. Kann auch noch etwas mehr sein. Glücklichere Landhühner gibt es nicht. Denen hier wurde Reis und Nudeln gekocht. Das muss man noch gar nicht beiläufig angemerkt haben, kreischen die meisten landlüftenden Städter schon: "Aber gegessen werden die nicht! Wie kannst du nur!" Ich erkläre es ihnen lieber nicht. Sie würden alles missverstehen. So wie alles nur noch ein großes, dummes Missverständnis zu sein scheint. Wir sollten das bei Backhendl, Schnitzerl oder Stelze im Wirtshaus besprechen.

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Contra---
Von Christian Schachinger

Wenn man einem Nachbarn auf dem Land etwas Böses will, lädt man ihn im Herbst zu einem Essen mit Kürbis- und Zucchinibeilage. Zuvor gibt es daraus selbstverständlich noch Suppe. Wohin auch sonst mit dem Dreck. Gekrönt wird das Ganze abschließend mit Apfel- und Birnen-Crumble und der nicht mehr sehr höflichen Frage, ob man mit dem Fallobst im Garten nicht doch endlich Schnaps brennen wolle. Destilliergerätschaft sei bei Ebay immerhin schon ab zig minus alles Euro zu ersteigern. Und Nachtisch ohne Alkohol ist wurst. So sitzt man dann ab Mitternacht ohne Fleisch, aber mit Töpfen voll mit abgelehntem Dings da und hofft auf den Gott der Mäuse, der das alles in der Nacht wegfrisst. Man betet auch, dass Schnecken und Maulwürfe endlich das Gemüsebeet finden und freut sich über jedes Plumpsgeräusch im Obstgarten. Der Winter naht! Und, wir ahnen es, man fragt beim Haushaltsvorstand um die Lizenz zum Baumumschneiden an. Das aber darf nicht sein. Man könnte ja aus allem lecker Chutney machen. (Der Standard/rondo/23/10/2009)

  • Man könnte ja aus allem lecker Chutney machen.
    foto: der standard

    Man könnte ja aus allem lecker Chutney machen.

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