Alles weiterschenken

7. August 2009, 09:45
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Wie kannst du das nur tun, wenn du eine schwangere Frau zu Hause sitzen hast und Kinder?

Zwei Tage später entdeckte Zora die Lederjacke auf ihrem Sofa. Da war die Musik schon längst aus ihrem Kopf verschwunden und der Averna, und an seinen Namen konnte sie sich auch nur noch vage erinnern. "Was mach ich jetzt mit dieser Jacke?" Zora begann zu googeln. "Hat er vielleicht Markus geheißen oder Mario oder Matthias? Und für wen hat er gearbeitet? War das die Caritas, oder war das doch die Weltbank?"

Nach einer halben Stunde hatte sie ihn. Aber nicht nur ihn. Er hatte sein Familienalbum ins Netz gestellt: Bilder von seiner hochschwangeren Frau, seinen zwei Buben im Kleinkindalter, ein Familienmensch mit Nikolausmütze war da zu sehen. Und nichts deutete auf diesen Fotos darauf hin, dass er der war, der in der Disco Rambazamba machte, tanzte wie Patrick Swayze und flüsterte wie ein Zauberer, der die Macht hatte, den Wörtern Silberschleier umzuhängen, dass sie glänzten wie Astronauten auf dem Weg zum Mond.

Zora fand ihn ihm Telefonbuch: "Verräter! Wie kannst du das nur tun, wenn du eine schwangere Frau zu Hause sitzen hast und Kinder? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dich niemals mitgenommen. Und deine Macho-Jacke habe ich in den Container für Altkleider geschmissen!", sagte sie. Der Typ lachte: "Danke, dass du die Jacke entsorgt hast. Ich habe keine Familie und keine Frau. Die auf dem Foto ist meine Schwester." Er legte auf. Zora blickte lange auf die Lederjacke: "Ich dreh sie einfach dem nächsten Typen an und sage zu dem: Man darf niemals jemanden ziehen lassen, bevor man ihn nicht mit einer super Lederjacke glücklicher gemacht hat." (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/07/08/2009)

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    "Man darf niemals jemanden ziehen lassen, bevor man ihn nicht mit einer super Lederjacke glücklicher gemacht hat."

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