Gelsenstecker

9. Juli 2009, 16:17
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Der stumme Henker bleibt stets dezent im Hintergrund - Oder: Gelsenstecker sind doch irgendwie eklig

+++Pro
Von Markus Mittringer

Von allen automatisierten Dienstleistungen ist mir die des Gelsensteckers die liebste. Der stumme Henker bleibt stets dezent im Hintergrund. Er verrichtet seine Arbeit so laut- wie geruchlos. Und jammert nicht. Er tötet in stoischer Ruhe vor sich hin, verrichtet seine Arbeit zuverlässig auch dann, wenn ihm bisweilen sehr heiß wird. Genügsam, wie er ist, braucht er gerade einmal ein Futterblättchen für die Nacht, ganz wenig Strom und keine Gesellschaft. Er steht über den Dingen, hat längst eine Bewusstseinsstufe weit im Jenseits von Moral erlangt. Also sind wir Freunde geworden. Keine laue Sommernacht möchte ich mehr ohne ihn verbringen, in keinen Traum mehr versinken, ohne meinen Wächter mit der tödlichen Ausdünstung.

Und jetzt ganz ehrlich, liebe Gelsen: Was gibt es Schöneres, als, vom Duft des anderen Geschlechts angezogen, ins Licht zu fliegen. Um dort, in einem allerletzten Seinstaumel berauscht ins Nichts zu stürzen. Der Erlösung entgegen, dem Blutsaugen ein für alle Mal enthoben.

Contra---
Von Leo Szemeliker

Die Gelsen sind ja auch nicht mehr das, was sie waren. Seit Tschernobyl nicht mehr. Seit damals bedeutet ein Gelsenstich nicht mehr nur ein kleines Tupferl, das einen halben Tag lang ein bissl juckt. Nein, Mutantengelsen injizieren einem Mutantengift, weswegen man von einem Dippel eine Woche lang entstellt ist und sich die Haut wundkratzt.

Muss man aber gleich mit der Chemie-waffe zurückschlagen? Ich denke nicht. Wie wäre es mit der Installation eines richtig guten, alten, analogen Fliegengitters vor dem Schlafzimmerfenster?

Gelsenstecker sind doch irgendwie eklig. Mithilfe aus Strom gewonnener Wärme wird die Luft im Schlafzimmer mit Insektengift versmogt. Am schlimmsten sind jene Vorrichtungen, in denen eine auf pseudoökologisch eingefärbte Flüssigkeit in einer kleinen Ampulle aufgekocht wird. Die Dämpfe wabern durchs Zimmer und schicken jede Mücke, die nicht zuvor von der Nachttischlampe versengt wurde, in den Kampfgastod.

Außerdem stechen sie ohnehin immer zuerst meine Frau. (Der Standard/rondo/10/07/2009)

  • Außerdem stechen sie ohnehin immer zuerst meine Frau.
    foto: der standard

    Außerdem stechen sie ohnehin immer zuerst meine Frau.

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