Lasst uns wühlen

14. November 2008, 13:10
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Trüffeln kann man neuerdings auch selbst züchten, berichtet Ute Woltron

Unlängst erreichte uns die Kunde vom ersten Trüffelfund auf einer österreichischen Trüffelplantage. Ein Firmen-Spin-off der Universität Wien zeichne für diesen Zuchterfolg verantwortlich, hieß es darin, und weiter: "Mit den qualitativ hochwertigen Bäumchen von TrüffelGarten - und dem geeigneten Grund & Boden - kann jeder zum Trüffel-Gärtner werden."

Diese Botschaft warf Ihr Grünzeug erinnerungsmäßig mit einem Schlag weit zurück in eine tief vergrabene Vergangenheit und in ein seltsames Déjà-vu. Sie durchbohrte im Zeitraffertempo viele Sedimentschichten, um irgendwann in den frühen 70er-Jahren Halt zu machen - in einer Zeit, deren Bilder der Erinnerung zwar wie in verblassenden Aquarellfarben gemalt, aber immerhin noch da sind.

Trüffeln. Wir hatten damals am Ende langer Schulferiensommer Trüffeln gegessen. Weil wir in den Wäldern des südlichen Niederösterreich unter großväterlicher Anleitung Trüffeln gesucht und gefunden hatten - schwarze, schrumpelige, knollenartige Dinger.

Marillenknödel- und Palatschinkenliebhaber

Wir mochten ihren Geschmack nicht, denn erstens waren wir noch keine ausgebildeten Gourmets, sondern als sehr jugendliche Marillenknödel- und Palatschinkenliebhaber eher den handfesteren Nahrungsmitteln zugetan. Und zweitens war die Zubereitungsmethode der in Sachen Trüffeln ebenfalls völlig unbeleckten Oma eine eher lieblos-nachlässige. Die Großmutter war in Schnitzeln und Gulasch zwar super, aber in Trüffeln ...

Die verschwommenen Bilder zeigen sie, wie sie die schwarzen Pilze leicht unwillig mit dem Messer grob zerhackt wie Zwiebeln und wahrscheinlich mit Schmalz - Himmel, Herrgott noch einmal - zu einer Trüffeleierspeise verarbeitet, die niemandem schmeckt.

Aber jetzt zum Ursprung dieser fürnehmen Zutat und den dazugehörigen Aquarellen: Der lag eindeutig im Wald. Im Föhrenwald, um genau zu sein. Eine Lichtung, Föhrennadeln auf dem Waldboden, kleine Erhebungen darin, wühlende Bewegungen mit der Haferl-Schuhspitze, durchgeführt vom Großvater. Und gelegentlich: Trüffeln.

Meistens waren die Trüffelplätze allerdings bereits zerwühlt, wenn wir auf ihnen ankamen. Verdammte Rehe, meinte er dann, weil Wildschweine waren damals noch nicht so weit verbreitet. Früher, berichten Leute, die in den 70er-Jahren schon ein bisschen älter waren und entsprechend färbigere Erinnerungen ihr Eigen nennen, gab es jede Menge Trüffeln in den Wäldern, und von der Jagd kam man damals mit Hüten voll von ihnen nach Hause.

Nix Genaueres weiß man nicht

Der Mann, der in den satten Polaroidfarben der Gegenwart die erste heimische Trüffel gezüchtet hat, heißt Alexander Urban. Nach eigenen Erkundungen, so meint der Mykologe, sei der Großteil der ehemaligen heimischen Trüffelplätze leider erloschen, und damit sei auch die Erinnerung am Verblassen.

Aber mittlerweile beginnen wir an dieser zartbitteren Feststellung deutlich zu zweifeln. Weil wir, nur hinter vorgehaltener Hand natürlich und unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit, im Lichte der Erinnerung mehrere Schwammerlsucher nach deren zeitgenössischen Erfahrungen mit Trüffeln befragt haben. Wie bei Schwammerlexperten nicht anders zu erwarten, schlug uns erst ablehnendes Misstrauen entgegen, aber wir wühlten uns durch, und nach einer Weile gaben die meisten von ihnen zu, irgendwo dort hinten, weit, weit weg, also praktisch schon am Ende der bekannten Welt, doch gelegentlich die eine oder andere Trüffel zu erwühlen. Nix Genaueres weiß man nicht. Wir werden der Sache nachgehen müssen. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/14/11/2008)

Tipp:

"Trüffeln aus dem eigenen Garten" verspricht die von Alexander Urban und Tony Pla gegründete Firma TrüffelGarten, und das funktioniert mit "mykorrhizierten" Trüffelbäumchen, die man daheim einsetzen kann. Denn: Die Trüffel lebt in Symbiose mit Bäumen. Es stehen wahlweise Burgundertrüffeln und Périgordtrüffeln zur Verfügung, vor allem Erstere sind hierzulande durchaus heimisch, weil sie gerne kalkreiche, lehmige Böden haben. Alle Infos über Anbau, Pflege, Bestellung gibt es hier: wwww.trueffelgarten.at

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    Schwarze, schrumpelige, knollenartige Dinger.

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