Geschenkte Illusion

4. März 2004, 13:20
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Geschenkt oder gratis gibt es nirgendwo etwas - Ein Blick hinter die wilde Preisschlacht bei Handytarifen

"Eine Vergleichbarkeit der Tarifangebote der Handybetreiber ist kaum noch machbar. Bei den gegenwärtigen Billigtarifen handelt es sich aber nicht wirklich um Zuckerln, sondern um aggressive Neukundenwerbung", ist AK-Konsumentenexpertin Daniela Zimmer überzeugt. Denn wie so oft kommt es auf das Kleingedruckte an, will man etwa "ein ganzes Leben lang" und zeitlich unbegrenzt zum so genannten "Nulltarif" telefonieren.

Innerhalb

Alle Gratisangebote der in Österreich aktiven Mobilfunkprovider gelten zum einen nur innerhalb des jeweiligen Netzes. Sobald man sich in ein anderes Netz oder gar ins Festnetz einwählt, beginnt die Tarifuhr zu ticken. Zum anderen muss der potenzielle Gratistelefonierer mit dem Betreiber einen Vertrag abschließen, der ihn mindestens zwölf Monate an diesen bindet. Zu bedenken ist auch, dass ein Providerwechsel meist einen Handywechsel erforderlich macht, da die Geräte mittels SIM-Karte nur innerhalb des erstangemeldeten Netzes funktionieren.

Reizvolle Freiminuten

Ein Kontingent an "Freiminuten" klingt zwar reizvoll, kann aber bei einer Bandbreite von 400 bis 1000 Minuten wohl wirklich nur von Vieltelefonierern ausgenutzt werden. Gar nicht berücksichtigt werden in der gegenwärti- gen Tarifpreisschlacht neue Dienste wie etwa das Verschicken von Bildern (MMS).

Jeder Mensch hat seine eigenen Telefoniergewohnheiten, und die sind bei den meisten "berechenbar". Die Arbeiterkammer Wien bietet zu diesem Zweck einen Tarif-Rechner an, der das individuell günstigste Modell verständlich aufzeigen hilft.

Vorteile für die Konsumenten

Die Preisschlacht bringt für Konsumenten auf jeden Fall Vorteile, da Handytelefonieren durch das Buhlen um Kunden tatsächlich immer billiger wird. "Das Ende der Fahnenstange ist sicher noch nicht erreicht, bis 2010 können wir mit einer weiteren Reduzierung um insgesamt 30 bis 40 Prozent rechnen", so Reinhard Neudorfer vom Forschungszentrum Evolaris in Graz, das in Kürze eine Studie über die Geschäftsmodelle der Fest- und Mobilnetzanbieter in Österreich herausbringt.

Eines der überraschenden Ergebnisse: Weniger der Preis als vielmehr der tatsächlich gebotene Service seien Anreize für Kunden, ihren Provider zu wechseln. "Die Preisschlacht bringt den Mobilfunkbetreibern nicht viel", ist Neudorfer überzeugt. Der aggressivste Anbieter, tele.ring, habe zwar im vergangenen Jahr seine Marktanteile von 4,5 auf 7,7 Prozent erhöhen können, die Verluste der anderen Anbieter lagen aber jeweils nur so um den Ein-Prozent-Bereich.

Plus

Pluspunkte bei Kunden sammeln könnte seiner Einschätzung beispielsweise jener Betreiber, der ein unterbrechungsfreies Gespräch auf der Fahrt von Graz nach Wien gewährleisten kann. Die Preisschlacht geht weiter. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 17. Februar 2004)

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