Sharons "Österreich-Connection" sorgt für Aufregung

9. Februar 2004, 15:32
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Israels Presse spekuliert über Verflechtungen mit illegalen Glücksspielunternehmen

Jerusalem - Vor dem Hintergrund aktueller Untersuchungen gegen Israels Regierungschef Ariel Sharon erregen Berichte und Gerüchte über Verbindungen nach Österreich erneut die Aufmerksamkeit israelischer Medien. Dabei wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen nach vierjähriger "Eiszeit" und der österreichischen Weigerung, israelischen Behörden bei der Suche nach Beweisen gegen Sharon in dessen Affäre um die Finanzierung seines Wahlkampfs Hilfe zu leisten. Zudem werden Vermutungen über das österreichische Engagement in der nahöstlichen Glücksspielszene angestellt.

In den kommenden Tagen wird sich das Distriktgericht in Tel Aviv mit Sharons Sohn Gilad beschäftigen. Er soll für den Wahlkampf seines Vaters eine 1,5-Millionen-Dollar-Spende des südafrikanischen Geschäftsmanns Cyrill Kern über die österreichische BAWAG nach Israel transferiert haben. Falls Gilad dem Gericht die Dokumentation der Bank vorlegen muss, werde er das tun, teilte sein Anwalt der Tageszeitung "Haaretz" mit.

Illegale Glücksspielstätten

Mit einem anderen Aspekt der Affäre befasst sich die Zeitung "Maariv". Sie wärmte in einem Porträt einer Zentralfigur der illegalen israelischen Glücksspielszene auch Verbindungen mit Österreichs Geschäftswelt, der BAWAG und Sharon auf. Eli Ovadia, so genannter "Bugsy Malone von Tel Aviv", muss Ende Februar eine längere Haftstrafe wegen des Betriebs illegaler Glücksspielstätten in Tel Aviv und Eilat antreten.

In einem ausführlichen Interview mit "Maariv" behauptete Ovadia, dass die israelische Glücksspielszene von lokalen Elementen gesäubert werden solle, um sie dann ausländischen Unternehmern überantworten zu können. Der Sinn der Umgestaltung läge in der Möglichkeit einer verdeckten Beteiligung israelischer Prominenter am ertragreichen Glücksspielgeschäft. In Israel ist der Betrieb von Casinos generell unzulässig. Die Israelis fahren zum Spielen oft ins Ausland, etwa nach Zypern und in die Türkei.

"König der Spieler"

Der verurteilte "König der Spieler", der für sich in Anspruch nimmt, kein Verbrecher zu sein, erläuterte im Gespräch mit "Maariv" an einem fiktiven Beispiel, wie eine solche Beteiligung zu Stande kommen könnte. Er nennt die österreichischen Casinos Austria als möglichen Partner einer solchen Konstellation. Die Zeitung verknüpfte unter dem Titel "Das österreichische Floß" Verflechtungen zwischen der österreichischen Geschäftswelt und israelischen Politikern mit den Vermutungen des verurteilten illegalen Glücksspielunternehmers.

Im Mittelpunkt steht dabei der österreichische Geschäftsmann Martin Schlaff, Miteigentümer der Betreibergesellschaft des inzwischen de facto still gelegten Casinos "Oasis" in Jericho im Westjordanland. Rechtsvertreter der "Oasis"-Betreiber war Dov Weissglass, der heute Bürochef von Ministerpräsident Sharon ist. Vor den israelischen Wahlen im Jahr 2001 begleitete Omri Sharon, Sohn und damals Berater seines Vaters, heute Abgeordneter zur Knesset, Weissglass auf einem Besuch bei Schlaff in Wien. Bilder der beiden im Wiener Flughafen wurden vom israelischen Fernsehen gezeigt. Anfang Februar 2002 besuchte Schlaff Ariel Sharon auf dessen Negev-Farm.

Schwimmendes Luxuscasino in Eilat

Die Casino-Angelegenheiten sollen dabei laut Sharons Büro nicht zur Sprache gekommen sein. Die Tageszeitung "Yediot Aharonot" berichtete damals ausführlich über Schlaffs Kontakte zur israelischen, palästinensischen und österreichischen Politikerszene. Im August 2002 bestätigte dann der Unternehmer und ehemalige ÖVP-Chef Josef Taus Gespräche zwischen Schlaff und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) über die Botschafterfrage.

Taus war zunächst Schlaffs Partner beim Bemühen um den Erwerb der bulgarischen Mobiltelefongesellschaft "Mobiltel" ebenso wie die BAWAG. Schlaff und BAWAG wiederum waren Partner in der Betreibergesellschaft des Casinos "Oasis" in Jericho. Und über die BAWAG wurden auch die Geldtransaktion von Gilad Sharon abgewickelt, die nun im Zentrum gerichtlicher Untersuchungen stehen.

Schlaff ist wahrscheinlich auch an einem weiteren Casino-Projekt in der Region beteiligt. Nach der Schließung des Casinos in Jericho wurde der Rest der Belegschaft auf die "Cancun" transferiert, ein dreistöckiges Schiff, das derzeit im Hafen von Eilat liegt und zu einem schwimmenden Luxuscasino umgebaut wird. Die Genehmigung für die Betriebsaufnahme liegt noch nicht vor, wohl aber gibt es einen Generaldirektor, Bert Anderson. Der war in dieser Funktion auch schon im "Oasis" in Jericho tätig. In Eilat nennt man, so berichtet "Maariv", die "Cancun" das "Schiff von Martin Schlaff".

Stapellauf für österreichisches Glücksspielschiff

Anderson freilich erklärte "Maariv", dass er seine Weisungen direkt von Casinos Austria bekäme. Und das deckt sich mit den offiziellen Angaben des Direktors der Casinos Austria, Paul Herzfeld, gegenüber der APA im Jänner 2002. Um die Lizenz des Casinobetriebs kümmert sich Rechtsanwalt Jakov Bardugo. Er war zuletzt als Generaldirektor der israelischen Lotteriegesellschaft "Mifal Ha'Pais" tätig. Bisher sollen in die "Cancun" schon 60 Millionen Dollar an Investitionen geflossen sein. So viel Geld, meinen Beobachter der Szene, versenke man nicht im Roten Meer. Es sei anzunehmen, dass die Betreiber sicher seien, dass am Ende "alles gut" gehen werde.

Die Chancen für den baldigen Stapellauf des österreichischen Casinoschiffes stehen angeblich gut. Vor wenigen Tagen schied einer der heftigsten Gegner des Projekts aus dem Amt. Der Rechtsberater der Regierung, Eliakim Rubinstein, wurde von Menachem "Meni" Masos abgelöst. Auf die Frage des "Maariv"-Reporters nach dem Wahrheitsgehalt der Gerüchte über vorteilhafte Beziehungen in höchste israelische Politikerkreise soll Anderson gelacht haben: "Wenn wir nur so einflussreich wären!" (APA)

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