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28. Jänner 2004, 20:30
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Architekturzentrum Wien: Optimismus trotz anhaltender Probleme "a_schau" widmet sich österreichischer Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts, "The Austrian Phenomenon" präsentiert Architektur-Avantgarde der sechziger Jahre

Wien (APA) - "Es gibt noch immer drei Problemkreise: den Bund, die Museumsquartier-Gesellschaft und die Mängelbehebung. Trotzdem überleben wir und sind wundersamer Weise hoch aktiv." Dietmar Steiner, Leiter des Architekturzentrum Wien (Az W), schwankte bei seiner heutigen Jahrespressekonferenz zwischen Fatalismus ("Die Zeit wird alle Wunden heilen") und Optimismus ("2004 werden wir trotzdem einen gewaltigen Sprung nach vorne machen").

Zwar müssen die beiden großen Ausstellungshallen noch bis Anfang März aus budgetären Gründen geschlossen bleiben, doch mit der ab 3. März in drei Etappen durchgeführten "a_schau" über österreichische Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts und einer Ausstellung über "The Austrian Phenomenon" der sechziger Jahre (ab 31. März) kündigte Steiner für 2004 zwei große Projekte an.

Im "sehr erfolgreichen und turbulenten Jahr 2003" (Pressesprecherin Ulrike Kahr-Haele) konnten mit den Wanderausstellungen des Az W weltweit 55.000 Besucher erreicht und das internationale Profil des Hauses als "das Kompetenzzentrum für österreichische Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts" (Steiner) geschärft werden.

Die Situation in den im Museumsquartier gelegenen Räumen sieht dagegen ernüchternder aus: In der Bibliothek regnet es an drei Stellen hinein, auch fehlt hier ein dringend notwendiger UV-Schutz (Steiner: "Die Bücher verbrennen uns in der Sonne!"), an der Heizung gibt es ebenso gravierende Mängel wie an den Portalen nach außen. Eine entsprechende Mängelliste sei längst an die MQ-Gesellschaft übergeben, meinte Steiner, doch obwohl es sich um Gewährleistungsfälle handle, die den Steuerzahler keinen Cent kosteten, sei bisher nichts geschehen: "Entweder ist man zu blöd dazu, oder es gibt einen Deal zwischen Bauherr und Generalunternehmer", von dem man nichts wisse.

Der Bund habe zwar seine Subventionen zuletzt nicht gekürzt ("dafür muss man heutzutage schon dankbar sein"), habe aber trotz stark ausgeweiterter Aufgaben des Az W auch keine Erhöhung vorgenommen, sagte Steiner. Außerdem sorge die noch immer nicht geleistete Abgeltung früherer Investitionen seit 2000 für ein anhaltendes Budget-Loch.

Die "a_schau" soll als "semipermanente Ausstellung" in drei Etappen durchgeführt werden. Die erste Etappe, die am 3. März eröffnet wird, soll in zwei weiteren Schritten (September 2004 bzw. März 2005) jeweils Richtung Gegenwart "ergänzt und verdichtet" werden. Dazu befindet sich ein umfangreiches Vermittlungsprogramm in Ausarbeitung. Der Wiener und der Grazer Architekturszene von 1958 bis 1973 ist ab 31. März die Ausstellung "The Austrian Phenomen" gewidmet. Sie dokumentiert den Aufbruch dieser Jahre, für den Architekten und Gruppen wie Abraham, Domenig/Huth, Coop Himmelblau, Hafner, Hollein, Missing Link und Zünd up stehen.

Mit einem städtebaulichen Projekt in Valencia, der Planung einer urbanen Region durch internationale Architekten, setzt sich die aus Spanien kommende Ausstellung "Sociopolis. Habitat for Solidarity" auseinander (ab 20. Oktober). Hier werden, ähnlich wie bei der 2003 gezeigten Schau "Just build it!", "integrative Ansätze zukünftiger Architektur" (Steiner) in den Vordergrund gestellt.

Bereits im April ist unter dem Titel "walk me" die Errichtung einer temporären "Kunstzeile an der Wienzeile" geplant, am 4. und 5. Juni gibt es "Architekturtage 2004" mit speziellen Angeboten für das Publikum, der "Monat der Fotografie in Wien" mit ungewohnten Blicken auf Architektur wird im November ausgerufen. Und auch die beliebten Sonntagstouren zur Architektur sowie die Mittwoch-Diskussionen werden fortgesetzt.

(S E R V I C E - http://www.azw.at)

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