Lesbische Lüste im Feld der Macht

23. Jänner 2004, 13:03
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Vortrag und Diskussion mit Stefanie Soine: "Lesbische Lüste im Feld der Macht"
In Zusammenarbeit mit dem Referat für HomoBiTrans-Angelegenheiten der ÖH an der Universität Wien.

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Seit Mitte der 90er Jahre herrscht ein Misstrauen gegen die Identitätspolitiken sexueller Befreiungsbewegungen vor, da deren Politik als zumeist ausgrenzend und im Verbund mit dem herrschenden heteronormativen System stehend kritisiert wird. Viele dieser Ansätze stützen sich dabei explizit auf Foucault, übersehen jedoch, dass er ein tragbares Konzept für kollektive, politische Einspruchsformen entwickelt hat. Es ist die Existenzform der Freundschaft, die Foucault nahezu ausschließlich auf die schwule Kultur bezog. Es soll gezeigt werden, dass dieser Entwurf ebenfalls auf die Gruppe der Lesben ausdehnbar ist. Lesbische Sexualität wird dadurch sowohl als Entscheidungsprozess als auch als ein Kommunikations- und Beziehungsträger sichtbar. Lesbisch zu sein heißt dann in diesem Sinne lesbisch zu werden. Insofern entwickelt sich das Problem der „lesbischen Identität“ vor allem zu einer Herausforderung an Frauenfreundschaft und Solidarität. Ein Konzept, das den Fallen totalitär ausgerichteter Identitätspolitiken entgehen kann, ohne dabei dem Verzicht auf diese generell das Wort zu reden.

Biographisches

Stefanie Soine ist Soziologin und lebt in Berlin. 1990--2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Interdisziplinären Forschungsgruppe Frauenforschung an der Universität Bielefeld. Sie steht kurz vor Abschluss ihrer Dissertation zum Thema: "Zur Genealogie paradoxer lesbischer Identitätspolitiken". Publikationen: Sexuelle Szenen. Inszenierung von Geschlecht und Sexualität in modernen Gesellschaften. Opladen 2000. Hg. zusammen mit Christina Schmerl, Marlene Stein-Hilbers und Birgitta Wrede und zuletzt: Das heterosexistische Geschlechterdispositiv als Produktionsrahmen für die Gewalt gegen lesbische Frauen, in: Dackweiler, Regina–Maria; Schäfer, Reinhild (Hg.) (2002): Gewaltverhältnisse. Feministische Perspektiven auf Geschlecht und Gewalt. (red)

Freitag, 30. Jänner 2004,
19.00 Uhr
im Stichwort
Diefenbachgasse 38
1150 Wien

Moderation: Waltraud Ernst
Unkostenbeitrag: € 2,90

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