Härte nach innen

28. Jänner 2000, 19:45

Solange über die Wechselkursverschiebung nicht Inflation importiert wird, kommt ein schwacher Euro der Wirtschaft zugute. Von Günther Barburek


Günter Baburek

Vor der Einführung des Euro versprachen die Politiker in den Hartwährungsländern Deutschland und Österreich, dass die gemeinsame Europawährung genau so hart und stabil sein werde wie die D-Mark beziehungsweise der Schilling. Heute, knapp 13 Monate später, liegt der Außenwert des Euro, verglichen mit dem US-Dollar, um knapp 20 Prozent unter dem Startniveau von Anfang 1999.

Dennoch haben die Politiker ihren Wählern nicht das Blaue vom Himmel versprochen. So weich der Euro nach außen hin derzeit auch sein mag - er hat nicht nur gegenüber dem Dollar erheblich an Wert eingebüßt, sondern auch gegenüber dem Yen - nach innen ist er hart geblieben. Mit einer Inflationsrate von rund einem Prozent ist die Eurozone so preisstabil wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Für einzelne Länder wie Italien oder Spanien ist ein derartiges, nahezu inflationsfreies Klima überhaupt eine Novität.

Auch Manager und Volkswirtschafter sind mit der Entwicklung des Euro nicht unzufrieden. Erstens ist sein Zurückbleiben gegenüber dem Dollar durch das gegenüber den USA geringere Wirtschaftswachstum durchaus plausibel. Und zweitens bietet diese Konstellation der europäischen Wirtschaft erhebliche Wettbewerbsvorteile. Eine Euro-Abwertung gegenüber dem Dollar um zwanzig Prozent bedeutet schließlich, dass das europäische Angebot um diesen Prozentsatz konkurrenzfähiger geworden ist.

Solange über die Wechselkursverschiebung nicht Inflation importiert wird - und derzeit gibt es keine Anzeichen dafür - mag ein weicherer Euro zwar den Stolz europäischer Bürger verletzen, ihrer Wirtschaft kommt er zugute. Die Amerikaner haben jahrelang von einem unterbewerteten Dollar profitiert.

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