"Jetzt in China investieren"

25. Jänner 2004, 18:28
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Technologieboom und billiger Dollar locken, erklärt der Chef der First Eastern Investment Group aus Hongkong

"Jetzt und in den neun Monaten vor uns müssen Sie in China investieren." Victor L. L. Chu, Chef der First Eastern Investment Group in Hongkong, begründet dies mit dem fixen Kurs der chinesischen Währung zum (derzeit billigen) Dollar und mit der politischen Stabilität.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wurde Chu vehement von westlichen Managern unterstützt: von Carlos Ghosn, der Ende der 90er-Jahre von Renault an die Spitze von Nissan wechselte, von Dinesh Paliwal, dem ABB-Finanzchef und von Ulrich Schumacher, dem Chef des Chipherstellers Infineon in Deutschland. Alle drei unisono: "In China kann man Geld verdienen", und Ghosn ergänzte: "Am meisten kann ein Konzern in den USA erwirtschaften, aber dann kommt schon China."

Schumacher überraschte mit einer neuen Erfahrung. Es sei in den nächsten Jahren nicht nur zu enormen Innovationsschüben gekommen, die chinesischen Fachkräfte und Ingenieure hätten stark aufgeholt. Daher könne man dort sogar Entwicklungsabteilungen aufbauen: "Da die zwölf Stunden pro Tag und sieben Tage die Woche arbeiten, ergibt sich eine neue Zauberformel. Ihr Name ist Speed."

Das Grundreferat zum China-Schwerpunkt in Davos hielt Donald D. Evans, US- Handelsminister. Die neue Generation an der chinesischen Spitze sorge für eine sehr kompetente Politik, die von zwei Faktoren begleitet werde: erstens von der Geschwindigkeit des Wandels und zweitens von den enormen Geldmengen in den chinesischen Banken. Die Ersparnisse der Chinesen betragen 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Damit verband Evans zwei Hinweise auf Gefahren. Das Bankensystem selbst sei sehr schwach und die Energieversorgung nicht ausreichend. Diskutanten nannten weitere Probleme: Umweltverschmutzung und soziale Spannungen. Zwei Ratschläge fielen auf. Wer in China investieren wolle, solle sich nicht nur auf den Osten mit Peking und Schanghai konzentrieren, sondern sich im weniger bekannten Westen umschauen. Der Banker Chu: "Sie müssen in China immer die richtigen Beziehungen zur rechten Zeit haben. Die offiziellen Kanäle sind nicht unbedingt die wirksamen." (DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2004)

Von
Gerfried Sperl aus Davos
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    Neben dem Technologieboom auch viel Tradition in China: Laternen in Lanzhou.

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