Müll verbrennen ist kein heißes Eisen mehr

22. Jänner 2004, 21:28
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Öffentliche Verhandlung zur geplanten dritten Müllverbrennungsanlage - Das Projekt erregt aber nicht mehr die Gemüter wie damals der Flötzersteig oder die Spittelau

Bei Diskussionen über Müllverbrennung ging's in Wien auch schon einmal heißer zu. Derzeit wird im Rathaus hingegen in aller Ruhe über das "Irrelevanzkriterium" diskutiert - und ob das "Schwellenwertkonzept" eine "probate technische Abschätzungsmaxime" sei.

Schwere Geschütze gegen die geplante Simmeringer Müllverbrennungsanlage Pfaffenau werden bei der öffentlichen Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung im Wiener Rathaus nicht aufgefahren. Wie denn auch, wenn schon die Grünen nicht mehr das Müllverbrennen prinzipiell verteufeln - sondern nur noch die Wirbelschicht-Technik präferieren (DER STANDARD berichtete).

Wie Ford oder VW

Für Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) ist die Frage ob Wirbelschicht oder Rostfeuerung "eine Frage, wie beim Autokauf die Entscheidung ob Ford oder VW. Und die Experten haben sich für die Rostfeuerung ausgesprochen". Aber es freue sie, dass dies "jetzt nur noch eine technische und keine politische Frage mehr" sei.

2008 soll die neue Müllverbrennung in Betrieb gehen, hofft Peter Bortenschlager, Chef der Errichtungsgesellschaft Wiener Kommunal UmweltschutzprojektgesmbH (WKU). Also noch vor dem 31.12. 2008, denn danach darf in Österreich kein unbehandelter Müll mehr deponiert werden. Derzeit zahlt die Stadt dafür, dass sie den Mist noch verscharrt - "von 2000 bis 2007 insgesamt 30 Millionen Euro, so Bortenschlager.

Die Anlage selbst soll 185 Millionen Euro kosten und dann jährlich 250.000 Jahrestonnen Müll verbrennen.

Auch diese Kapazität ist Thema bei der Verhandlung: Denn derzeit können von den 620.000 Tonnen Restmüll nur 100.000 bis 170.000 Tonnen nicht verbrannt werden. Es werde prognostiziert, dass es bis 2010 einen Gesamtbedarf von 228.000 Tonnen gebe, wird erläutert. Außerdem brauche man Reserven, falls eine der beiden anderen Müllverbrennungen wegen Revisionsarbeiten ausfällt.

Ausschließlich für Wiener Abfall

"Die Müllverbrennungsanlage Pfaffenau wird ausschließlich für Wiener Abfall errichtet", versicherte Kossina bereits Montagabend bei der Präsentation des Umweltverträglichkeitsgutachtens. Ein Verbund mit dem Umland könne man andenken, "aber nur für Notfälle".

Im Umweltvertäglichkeitsgutachten kommen die Experten zum Schluss, dass durch das Vorhaben "keinerlei Gefährdungen von Schutzgütern und keinerlei Belästigungen ausgelöst werden" und dass durch Auflagen und Befristungen "ein hohes Schutzniveau für die Umwelt erreicht wird".

So bleibt bei der Verhandlung im Rathaus eine wichtige Forderung: Die Aufstellen einer Anzeigetafel des Abgas-Ausstoßes wie bei der Spittelau und am Flötzersteig. Um dies zu verordnen gebe es keine rechtliche Grundlage, man könne das nur empfehlen, so der Verhandlungsleiter. Der Vertreter der WKU versprach, mit der Geschäftsführung darüber zu reden - "ich glaube nicht, dass das Projekt an der Finanzierung einer Anzeigetafel scheitern wird". (Roman Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 21.1.2004)

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