Deutsche Zeitungsbranche steht vor Journalisten-Streik

26. Jänner 2004, 15:26
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Tarifgespräche gescheitert - Tageszeitungsredakteure leiten Urabstimmungen für Streiks ein

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 14.000 Tageszeitungsredakteure steht die deutsche Zeitungsbranche erstmals seit 15 Jahren vor einem Arbeitskampf der Journalisten. Die Tarifkommissionen der Gewerkschaften ver.di und Deutscher Journalisten-Verband (DJV) beschlossen am Montag das Scheitern der Tarifgespräche und die Einleitung von Urabstimmungen für Streiks.

Die Urabstimmungen würden voraussichtlich Anfang bis Mitte kommender Woche stattfinden und sollten bis Donnerstag abgeschlossen sein, kündigte ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke an. Während der Abstimmungen werde es Warnstreiks geben. DJV-Sprecher Hendrik Zörner sagte, beim Journalistenverband stehe ein Abstimmungstermin noch nicht fest. Ob es Warnstreiks geben werde, könne er nicht sagen.

Schwierige wirtschaftliche Situation

Die Arbeitgeber kritisierten die geplanten Urabstimmungen und forderten die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. ver.di und DJV müssten die schwierige wirtschaftliche Situation der Verlage endlich realistisch bewerten, dann könne auch in Verhandlungen eine Annäherung erzielt werden, erklärte der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin.

Zu den geplanten Urabstimmungen sagte Verhandlungsführer Werner Hundhausen: "Mit Blick auf die schwierige Lage der Branche fehlt mir jedes Verständnis dafür, wenn Redakteure für die Erhaltung von 35 Tagen Urlaub und fast 14 Monatsgehälter auf die Straße gehen." Auch nach einer Umsetzung der Verlegerforderungen wären Redakteure im Vergleich zu anderen Beschäftigten privilegiert.

Verhandlungen abgebrochen

ver.di und DJV hatten die Verhandlungen in der vergangenen Woche nach der fünften Runde abgebrochen. Die Arbeitgeber verlangen eine zweijährige Nullrunde beim Gehalt, bis zu fünf Tage weniger Urlaub, eine Anhebung der Wochenarbeitszeit von 36,5 auf bis zu 40 Stunden sowie eine 25-prozentige Kürzung des Urlaubsgeldes. ver.di dagegen fordert branchenübliche Gehaltserhöhungen, das unveränderte Wiederinkraftsetzen des Manteltarifvertrages sowie eine Regelung zur Beschäftigungssicherung.

In der Druckindustrie und dem Papier verarbeitenden Gewerbe, mit denen sich die Tageszeitungsbranche gewöhnlich vergleicht, waren Gehaltserhöhungen von 1,5 Prozent im ersten und 1,7 Prozent im zweiten Jahr vereinbart worden. (APA/Reuters)

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