Ex-FP-Klubdirektor als neuer Bahnchef

18. Jänner 2004, 19:09
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Bahnchef Rüdiger vorm Walde soll vorzeitig abgelöst werden - Möglicher Nachfolger ist derzeitiger Vorstand der Bahnbaugesellschaft HL-AG und Ex-FP-Klubdirektor Josef Moser

Wien - Im Vorfeld der Bahn- Reform bahnt sich bei den ÖBB eine umfangreiche Personalrochade auf höchster Ebene an: Generaldirektor Rüdiger vorm Walde soll nun doch vorzeitig abgelöst werden, erfuhr der Standard aus Regierungskreisen. Bisher galt der Mitte 2001 als Nachfolger von Helmut Draxler installierte vorm Walde als Fixstarter für einen von zwei Sitzen in der ÖBB-Dachholding, die die Aktivitäten der künftig in neun Subgesellschaften gegliederten Staatsbahn steuern soll.

Nun, da sich die Aufregung um den gegen die ÖBB-Reformpläne der Regierung abgehaltenen Streik gelegt hat und es bei Umbau und Dienstrecht am Montag ans sprichwörtlich Eingemachte geht bei den rund 47.000 Eisenbahnern, traut man dem 57-jährigen Exchef der Berliner Verkehrsbetriebe die Umsetzung der im Dezember beschlossenen Reformpläne nicht zu.

Am Sessel wird gesägt

Verkehrsminister Hubert Gorbach will von der Rochade freilich ebenso wenig wissen wie sein für die ÖBB zuständiger Staatssekretär Helmut Kukacka. "Der ÖBB-Vorstand genießt das Vertrauen des Ministers", betont Gorbach-Sprecherin Christine Lackner. Aber im Hintergrund wird am Sessel vorm Waldes eifrig gesägt.

Eher zugetraut wird das von vorm Walde vergeblich eingeforderte harte Durchgreifen Josef Moser, Vorstand der staatlichen Bahnbaugesellschaft HL-AG und zuvor FPÖ- Klubdirektor im Parlament. Er soll, verlautet aus Infrastrukturministerium und höchstem Bahnmanagement gleichermaßen, doch nicht Chef der neuen ÖBB-Tochter Infrastruktur-Bau werden, sondern gleich an die ÖBB-Spitze aufsteigen. Gemeinsam mit dem früheren FPÖ-Bundesgeschäftsführer und jetzigen Chef der Schienenfinanzierungsgesellschaft Schig, Gilbert Trattner, sollte Moser die "rote" Bahn umkrempeln.

Wechsel im Aufsichtsrat

Geplant ist den Informationen zufolge weiters auch ein Wechsel im ÖBB-Aufsichtsrat. Der von Verkehrsministerin Monika Forstinger installierte ÖBB-Aufsichtsratspräsident Franz Rottmeyer hat demnach ein "Ablaufdatum". Um ein politisches Gegengewicht herzustellen, soll der frühere Opel-Austria-Chef durch den Kapitalmarktbeauftragten der Bundesregierung, Ex-OMV-General Richard Schenz, ersetzt werden.

Schenz sei zwar ein ÖVP- Mann, er "könne" aber sowohl mit Gorbach als auch mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser gut. Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Verkehrswesen verfüge er auch über das nötige Fachwissen. Außerdem könnte Schenz die Übertragung der Bahn an die laut Koalitionsabkommen geplante Infrastrukturholding vorantreiben.

Gorbach: Neuer Vorstand mit vorm Walde und Moser

Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) hat am Samstag dementiert, dass ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde vor der vorzeitigen Ablöse stehe."Vorm Walde hat einen Vertrag bis Mitte 2006", so Gorbach im Ö1-"Mittagsjournal". Zu dem kolportierten Aufrücken des früheren FPÖ-Klubdirektors und nunmehrigen Vorstand der Bahnbaugesellschaft HL-AG in den Vorstand der neuen ÖBB-Holding sagte der Vizekanzler, dass es eine "sehr gute Kombination" wäre, wenn vorm Walde und Moser gemeinsam dem Vorstand angehören würden.

ÖVP-Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka wiederum machte klar, dass der Vorstand größer als zwei Personen sein werde. Er gehe nicht davon aus, dass dem Gremium nur Moser und vorm Walde angehören. Laut Ö1 soll ein provisorischer Vorstand in den kommenden Tagen bestellt werden. (red/APA/Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 17.01.2004)

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    Im Vorfeld der Bahnreform bahnt sich bei den ÖBB eine umfangreiche Personalrochade auf höchster Ebene an: Generaldirektor Rüdiger vorm Walde soll nun doch vorzeitig abgelöst werden.

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