Riesenspektakel

19. Jänner 2004, 00:27
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Haute Couture zwischen Riesenspektakel und Salon-Atmosphäre - die Pariser Modenschauen beginnen heute

Riesenspektakel bei den einen, intime Zusammenkunft bei den anderen - so werden ab dieser Woche die Sommermodelle 2004 der höchsten Pariser Schneiderkunst, der Haute Couture, präsentiert. Die kostbaren Roben der wenigen verbliebenen Couturiers in dieser Branche des Superluxus werden von Montag bis Donnerstag in der französischen Hauptstadt einem erlesenen Publikum vorgeführt.

"Zurück zu den Wurzeln" scheint in diesem Jahr das Motto einiger Modehäuser, während die großen Marken Dior und Chanel ganz auf prachtvolle Mammutshows setzen. Vorreiter der neuen "Bescheidenheit" ist der erfahrene Couturier Emanuel Ungaro. Mit einer Modenschau in den Räumen seines Pariser Sitzes wolle er die Haute Couture "zu ihren Wurzeln und ihrer Noblesse" zurückführen, ließ der Altmeister verlauten. Bei den Riesenspektakeln verliere die Couture doch ihre Seele.

Auch Givenchy bleibt diesmal in seinen eigenen Räumen, dabei könnten die Kundinnen "die Kleider beinahe berühren", teilen seine Sprecher mit. Richtig konsequent ist der Italiener Maurizio Galante: Er präsentiert seine Modelle in der Cartier-Stiftung an bewegten Puppen in einem Maßstab von eins zu fünf - so wie es im 18. Jahrhundert üblich war.

Ganz andere Dimensionen hat Dior für die Präsentation seiner Spitzenmodelle ausgesucht: An die tausend Gäste und Kunden sind zu einer gold-glitzernden Show auf dem Polofeld des Bois de Boulogne im reichen Pariser Westen geladen. Für das Happening wurde eigens ein riesiges Dach gebaut. Dass Gold das Defile dominiert, ist gleich doppelt symbolisch: Das Geschäft läuft gut für Dior, und das Ergebnis für 2003 dürfte nach Ankündigungen des Hauses ausgezeichnet ausfallen. Außerdem kehrte Dior-Designer John Galliano gerade von einer Reise nach Ägypten zurück, wo er sich von den unermesslichen Schätzen Kleopatras und der Pharaonen inspirieren ließ.

"Groß" ist auch das Motto für die Modenschau von Chanel, allerdings gilt dieses Attribut bei zwei Vorführungen mit je 300 Gästen in einem Stadtpalais im siebten Arrondissement nicht so sehr für den äußeren Rahmen. Vielmehr würden die 49 Modelle von "sehr großen" Mannequins präsentiert, ließ das Haus mit dem deutschen Stardesigner Karl Lagerfeld wissen. Mithalten kann da noch Jean-Paul Gaultier, dessen eigener Geschäftssitz erst im Herbst fertig renoviert sein wird: Er lädt in das Palais de la Porte doree, Prachtbau aus Kolonialzeiten.

Originell ist sicher auch die Show von Versace, dessen Modelle rund um den Swimmingpool des legendären Hotel Ritz vorgeführt werden. Christian Lacroix und Valentino defilieren wieder in der Ecole des Beaux Arts (Hochschule der Schönen Künste), Scherrer im Palais Ledoyen. Die erste und die letzte Show des offiziellen Programms sind dabei einer gewissen Ironie unterworfen: Torrente zum Auftakt und Elie Saab zum Abschluss zeigen ihr Werk im Palais Brongniart, der ehemaligen Börse. Gerade an der Börse läuft die Haute Couture aber nicht zu großer Form auf. Die meisten Firmen verlieren Geld in diesem Segment, daher haben auch schon viele aufgegeben: Es gibt derzeit nur noch zehn Haute-Couture-Häuser - im Jahr 1987 waren es noch 24. (APA)

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    Christian Lacroix

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