Statt Knast auf Intensivstation

16. Jänner 2004, 12:26
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Unter Korruptionsverdacht stehender IOC-Vizepräsident Kim entging durch Schwächeanfall der Verhaftung

Seoul - Der unter Korruptionsverdacht stehende südkoreanische IOC-Vizepräsident Kim Un Yong ist letzte Nacht in die Notaufnahme einer Klinik gebracht worden. Kim sei gegen Mitternacht zusammengebrochen und von seinem Fahrer in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte am Mittwoch ein Mitarbeiter im Büro des Sportfunktionärs in Seoul.

"Er hatte einen Schwächeanfall erlitten und befindet sich seither auf der Intensivstation." Der Mitarbeiter bestätigte auch, dass sich einer der Ermittler zuvor im Krankenhaus vom Gesundheitszustand des hochrangigen Funktionärs überzeugt habe.

Der Verhaftung entronnen

Dem umstrittenen Multifunktionär droht nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap die Verhaftung. Die Staatsanwaltschaft wolle sich jedoch erst über den Gesundheitszustand Kims vergewissern.

Kim wird beschuldigt, mehr als 500 Millionen Won (etwa 333.000 Euro) von ehemaligen und amtierenden Funktionären des NOK kassiert zu haben. Als Gegenleistung soll ihnen Kim die Aufnahme in das NOK verschafft haben. Darüber hinaus gehen die Ermittler der Herkunft von Bargeld in ausländischer Währung im Wert von mehr als einer Million Dollar nach, das bei einer Durchsuchung in Kims Haus gefunden worden war.

Ethik-Kommission ermittelt

Kim hatte am vergangenen Freitag sein Abgeordnetenmandat niedergelegt und zugleich seinen Rücktritt als Vorsitzender des Taekwondo-Weltverbandes WTF erklärt. Er saß bisher für die oppositionelle Demokratische Millenniumspartei (MDP) in der koreanischen Nationalversammlung. Kim bestreitet die Korruptionsvorwürfe, die von der Ethik-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees untersucht werden.

Sollte Kim wegen Korruption verurteilt werden, scheint ein Ausschluss aus dem IOC sicher. Der Südkoreaner ist im IOC wegen seiner Verwicklung in den Korruptionsskandal um den Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City, umstritten. 1999 erhielt er vom IOC einen strengen Verweis, trotzdem wurde er in diesem Jahr erneut zum Vizepräsidenten gewählt. 2001 war er dem Belgier Jacques Rogge bei der Wahl zum IOC-Präsidenten unterlegen. (APA/dpa)

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    Keine rosigen Zukunftsaussichten für Kim Un Yong.

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