Argumente mit dem Löffel

19. Juli 2004, 14:13
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Einer der legendären Vorträge des österreichischen Filmavantgardisten Peter Kubelka ist auf DVD erschienen

Ein "dienstbares" Medium dokumentiert ein filmhistorisches Ereignis: Einer der legendären Vorträge des österreichischen Filmavantgardisten Peter Kubelka ist auf DVD erschienen.


Wien - Ehe der Vortrag beginnt, erleben wir die Vorbereitungen: Noch nicht "funktionstüchtige" Gegenstände wie ein Greta-Garbo-Büste, ein Ohr und ein Gehirn werden auf einem Tisch arrangiert, der Referent verlangt noch dringend nach einem "Schneidbrettl". Danach füllt sich das Unsichtbare Kino allmählich mit Besuchern - bis erst im sechsten Kapitel der performative Teil des Abends mit der Projektion von Arnulf Rainer seinen Anfang macht.

Peter Kubelka: Film als Ereignis, Film als Sprache, Denken als Film hieß der Vortrag, den der österreichische Avantgardefilmemacher im Herbst 2002 im Österreichischen Filmmuseum gehalten hat. Eine von Zone herausgegebene DVD hält ihn nun fest.

Dass es darauf auch ein Vorher der Lecture zu sehen gibt, ist für den Künstler charakteristisch, begreift er doch derlei Veranstaltungen als singuläres Ereignis in einem konkreten Raum - die DVD somit als historisches Dokument. Einmalig ist dieses Produkt schon deshalb, weil es die erste Übertragung einer Arbeit Kubelkas in ein anderes Medium darstellt - von seinen Filmen existiert eine solche nicht, da er strikt an der sinnlichen Erfahrung von deren Materialität festhält. Die DVD sieht er denn auch weniger als Reproduktion denn als Gedächtnis:

Das Zielpublikum, schreibt der Filmemacher Peter Tscherkassky im Begleittext, sei für Kubelka womöglich eines in ein paar Hundert Jahren. Dennoch ist es auch für zeitgenössische Betrachter ertragreich, den assoziationsreichen Vortrag mit Filmbeispielen nun kapitelweise anzusteuern: Nicht nur unter "Neuanfang/Antropomorph/ Löffel" wird der ganzheitliche, humanistische Ansatz des Avantgardisten evident. Kubelka entwirft eine Art Evolutionsgeschichte des Films, die auch eine des Menschen ist.

Kubelka zieht verblüffende Analogien, es geht ihm aber auch um umfassendere Wahrnehmung: Die durch den Saal wandernde Filmspule bewirkt etwa taktiles Verstehen. Auch wenn die DVD daran noch scheitert, speichert sie ein Wissen um eine "Gegengeschichte" des Films. Sie nützt damit die polemisch gemeinte "Dienstbarkeit der neuen Medien" (Kubelka) auf sehr produktive Weise. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2004)

Von
Dominik Kamalzadeh
  • Peter Kubelka: Film als Ereignis, Film als Sprache, Denken als Film DVD, produziert von ZONE, erhältlich auch im Filmmuseum
Links   filmmuseum.at
 www.zone.co.at
    foto: filmmuseum / zone

    Peter Kubelka: Film als Ereignis, Film als Sprache, Denken als Film

    DVD, produziert von ZONE, erhältlich auch im Filmmuseum

    Links

    filmmuseum.at

    www.zone.co.at

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