Nach "Teuro" jetzt die Maut

11. Jänner 2004, 19:59
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Durch das Roadpricing rollt eine neue Teuerungswelle auf Konsumenten zu - AK: Lkw-Maut willkommene Ausrede für Preiserhöhungen

Wien - Schon bei der Euroeinführung stöhnten die Österreicher über die, teils empfindlichen, Teuerungen. Mit dem Advent des Roadpricing dürfte sich das wiederholen, befürchtet die Arbeiterkammer.

Vor allem Milchprodukte sollen teurer geworden sein. Laut Berglandmilch soll die neue Maut Mehrkosten von drei bis sechs Prozent verursacht haben. Diese Kosten könnten nicht geschluckt werden, und würden an die Kunden weitergegeben werden, hieß es im Ö1-Morgenjournal.

Bei den großen Lebensmittelhändlern betont man, derzeit gäbe es für den Konsumenten keinerlei Auswirkungen. Ein Billa-Sprecher erklärte, nichts sei teurer geworden durch das LKW-Road-Pricing.

Nicole Bergmann, Unternehmenssprecherin bei SPAR, sieht das ebenso, weist aber im Morgenjournal auch daraufhin, dass gerade zu Anfang des Jahres mit Lieferanten verhandelt wird. Ganz ausgeschlossen sei natürlich nicht, dass sich aufgrund von Forderungen seitens der Lieferanten irgendwann auch einzelne Lebensmittelpreise für den Konsumenten verteuern könnten.

Beschwerden

Die Arbeiterkammer (AK) sieht dagegen ihre Befürchtungen rund um die Einführung der Lkw-Maut bestätigt: In der AK häuften sich die Beschwerden über Preiserhöhungen wegen der Lkw-Maut. So sei etwa ein Tageszeitungs-Abonnement um drei Prozent teurer geworden, eine Fensterfirma habe die Preise um fünf Prozent erhöht und ebenfalls die Lkw-Maut als Grund angegeben.

Die in den vergangenen Tagen angekündigten Preiserhöhungen etwa der Post, der Molkereien oder der Holzverarbeiter seien überzogen und durch die Lkw-Maut "nicht zu rechtfertigen", kritisierte AK-Präsident Herbert Tumpel. Er fordert daher den Wirtschaftsminister auf, die Verteuerungen zu überprüfen und so sie ungerechtfertigt sind, abstellen.

Die Wirtschaft benutze die Lkw-Maut als willkommene Ausrede für ihre Preiserhöhungen, so Tumpel. Die Kosten für die Transportwirtschaft würden zwar steigen, jedoch nur eine Erhöhung der Endpreise für die Verbraucher von im Schnitt 0,2 Prozent rechtfertigen, im Groß- und Einzelhandel nur um 0,04 Prozent. Mit der Lkw-Maut komme es "endlich zu mehr Kostenwahrheit im Verkehr", so die AK.

Punktuelle Erhöhungen

Wirtschaftsforscher Helmut Hofer vom Institut für höhere Studien rechnet nicht mit einer massiven Teuerungswelle. Höchstens einige punktuelle Erhöhungen wären zu erwarten.

(red, APA)

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    Auf die Konsumenten kommt eine Teuerungswelle zu, meint die Arbeiterkammer

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