Ein Rückgrat der Nachkriegsjazzszene

9. Jänner 2004, 20:36
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Zum Tod des Musikers Johannes Fehring

Wien - Jazz und klassische Musik - dies waren nach eigener Aussage jene Metiers, die ihm "wirklich etwas bedeutet haben". Insbesondere in Bezug auf Ersteres würde Österreich heute möglicherweise ganz anders aussehen, hätte Johannes Fehring mit seinem Orchester der Szene nicht viele Jahrzehnte hindurch gleichsam als Rückgrat Halt gegeben - trotzdem immer auch Musik auf den Pulten lag, die weder mit Jazz noch mit Klassik zu tun hatte.

1948 gründete Fehring, der 1926 in Wien als Johannes Fernbach geboren wurde, seine erste Band, mit der er bald regelmäßig im Volksgarten auftrat. 1955 initiierte er unter eigenem Namen sein erstes Orchester, das - durchaus ähnlich dem Vienna Art Orchestra zwei Jahrzehnte später - zum Sammelbecken für die jungen aufstrebenden Jazzer des Landes mutierte: Schließlich beherbergte das zunehmend bekannte Orchester gleichsam als "band within the band" die legendären Austrian All-Stars in seinen Reihen, mit einem gewissen Joe Zawinul am Piano.

Tourbegleiter

Fehring war freilich auch immer als Komponist und Produzent tätig, er schrieb Musik zu 60 Spielfilmen und begleitete etwa Peter Alexander, Udo Jürgens, Gilbert Bécaud und Ella Fitzgerald auf Tourneen. 1965 wurde sein Orchester an das Theater an der Wien verpflichtet, aus der jahrelangen Rundfunkarbeit ging zudem 1971 mittels personeller Splittung die (leider nur bis 1981 bestehende) ORF-Big Band hervor. 1983 zog sich Fehring auch aus gesundheitlichen Gründen ins Privatleben zurück. Am Montag ist der Musiker 77-jährig in Wien gestorben. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2004)

Von
Andreas Felber
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