Wahlkampf "startet durch"

6. Jänner 2004, 20:11
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Alles rechnet mit Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen FPÖ und SPÖ - Es geht um die Zukunft Haiders und Ambrozys - Harte Bandagen schon jetzt

Klagenfurt - "Ab sofort wird voll durchgestartet", betonte Kärntens FPÖ-Chef Martin Strutz am Freitag, exakt 65 Tage vor der wohl spannendsten Landtagswahl im südlichsten Bundesland. Obwohl die SPÖ laut Umfragen noch in Front liegen soll, wird allgemein mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen FPÖ und SPÖ gerechnet. Dabei geht es auch um die politische Zukunft - mit ziemlicher Sicherheit um das politische Überleben - der beiden Spitzenkandidaten Jörg Haider und Peter Ambrozy.

Die FPÖ, die vor fünf Jahren, am 7. März 1999, mit knapp 42,1 Prozent (16 Mandate) die SPÖ (32,9 Prozent, 12 Mandate) als stärkste Kraft abgelöst hatte, will ihre Position unter allen Umständen halten. Haider hat sich die Latte auf 40 Prozent gelegt. Die SPÖ will naturgemäß wieder zur Nummer eins werden, was sie von 1945 bis 1999 in der - einstmals - "roten Hochburg" Kärnten auch war. Falls sie das schafft, wird wohl Ambrozy Haider als Regierungschef beerben. Sowohl FPÖ und SPÖ haben sich schon festgelegt, dass die stärkste Partei den Landeshauptmann stellen soll.

Haiders Zukunft steht in den Sternen

Wie die politische Zukunft Jörg Haiders aussehen wird, selbst wenn die FPÖ stärkste Kraft bleiben sollte, steht noch in den Sternen. SPÖ und ÖVP haben nämlich bereits betont, den langjährigen FPÖ-Chef keinesfalls wieder zu wählen bzw. auch nicht wie 1999 seine Wahl zu ermöglichen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass sich nur die jeweiligen Parteichefs Ambrozy und Georg Wurmitzer sowie ÖVP-Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher-Pichler festgelegt haben. Sollte die FPÖ die Wahl gewinnen, könnte unter dem nächsten SPÖ-Vorsitzenden oder auch einem künftigen ÖVP-Obmann wieder alles anders sein.

Harte Bandagen

Wie erbittert der Wahlkampf geführt wird, ist nicht zuletzt aus der verbalen Härte ersichtlich, die vor allem von Seiten der beiden Hauptkontrahenten FPÖ und SPÖ gepflogen wird. Während Haider und Strutz die Sozialdemokraten durchwegs nur als "rote Raunzer" titulieren, revanchieren sich diese mit der wenig schmeichelhaften Bezeichnung "blaue Blender". Bei der ÖVP findet vor allem Frontfrau Scheucher-Pichler scharfe Formulierungen in Richtung Haider.

Absprache-Gerüchte

Vehement dementiert werden von allen Seiten Gerüchte über diverse Absprachen für das Vorgehen nach der Wahl. So wird von der Kärntner ÖVP scharf in Abrede gestellt, dass die Wiederwahl Haiders auf Druck der Bundes-VP eine ausgemachte Sache sei. Die Freiheitlichen orten hingegen auf Grund der Festlegung, Haiders Wiederwahl verhindern zu wollen, einen rot-schwarzen Pakt. Strutz spricht von einer "Einheitspartei". Das wiederum wird naturgemäß von SPÖ und ÖVP bestritten.

Schwarze Spitzenkandidatin eher ohne Chance

Eher nicht ernst genommen wird von politischen Beobachtern das von ÖVP-Spitzenkandidatin Scheucher-Pichler geäußerte Ziel, erster weiblicher Regierungschef in Kärnten werden zu wollen. Zwar war der ÖVP-Mann Christof Zernatto als Chef der schwächsten Landtagspartei zwei Mal zum Landeshauptmann gekürt worden, doch dürfte sich dies nicht wiederholen. Ausgeschlossen ist aber, wie man weiß, in der Politik nichts. Dafür müsste die ÖVP aber auf jeden Fall ihre zuletzt errungenen 20,7 Prozent (8 Mandate) deutlich aufstocken.

Bescheidene Grüne

Bescheidener geben es die Kärntner Grünen, die mit ihrem Spitzenkandidaten Rolf Holub erstmals den Einzug in den Landtag schaffen wollen, sowie die ebenfalls kandidierenden Kommunisten, die auf ein achtbares Ergebnis hoffen. Die Grünen hatten 1999 im Wahlbündnis "Demokratie 99" mit der slowenischen Einheitsliste, dem LIF und den VGÖ mit landesweit 3,9 Prozent die Grundmandatshürde für den Einzug in den Landtag klar verfehlt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Strutz und Haider bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kärnten

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