Weihnachten ist "Sorgenzeit"

1. Jänner 2004, 20:37
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Bilanz der Telefonseelsorge: Immer mehr junge Anrufer

"In nur wenigen Stunden hat bei uns am 24. Dezember das Telefon rund 40-mal geläutet", zieht eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Telefonseelsorge der Linzer Diözese eine erste "traurige" Bilanz. "Am Heiligen Abend und an den Feiertagen danach laufen bei uns die Notrufdrähte heiß - die Weihnachtszeit sollte bei uns eigentlich Sorgenzeit heißen", erzählt eine der rund 65 - psychologisch geschulten - "Telefonseelsorgerinnen".

Einsamkeit, Trauer, Enttäuschung

Viele Menschen seien gerade zu Weihnachten mit Problemen konfrontiert, "die zwar meist das ganze Jahr schwelen, aber an den Feiertagen so richtig zum Ausbruch kommen". Den Auslöser für den Griff zum Sorgen-Telefon bilden meist sehr persönliche Verletzungen: "Einsamkeit, Trauer, Enttäuschung über nicht erfüllte Vorstellungen rund um das Weihnachtsfest, das Vergessenwerden von der Familie, aber auch ein Zuviel an Verwandten führt zu Krisen", erzählt die Expertin. In den Gesprächen sei vor allem "Akuthilfe" notwendig: "Wir reden mit unseren Klienten nur über die gegenwärtige Problemsituation und über mögliche Sofortmaßnahmen, Vergangenes wird bewusst ausgeklammert", erklärt die Mitarbeiterin.

Immer mehr junge Anrufer

Laut einer aktuellen Statistik der Diözese Linz nimmt die Zahl der Notrufe nach wie vor zu. 2003 Jahr haben rund 11.000 Menschen unter der Hotline-Nummer 142 Trost und Rat gesucht. Auffallend sei vor allem, dass die Zahl der jugendlichen Anrufer stark gestiegen ist, so die Diözese. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD; Printausgabe, 31.12.2003/1.1.2004)

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