Konversation mit dem Baseballschläger ...

6. Jänner 2004, 19:43
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CD-Erinnerung an den Cotton Club

Wien - "Die Gangster, die den Klub leiteten, waren freundliche Leute. Sie haben uns Künstlern nie Schwierigkeiten gemacht. Backstage waren die Bedingungen schlecht. Für Umkleidekabinen gab es keinen Platz, wir mussten uns in einem kleinen Raum umziehen - Männer und Frauen, nur durch einen Vorhang getrennt. Zum Essen konnten wir bestellen, was wir wollten, und die Gagen wurden immer pünktlich bezahlt", erinnert sich Sängerin Adelaide Hall.

Der Einstand von Duke Ellington und Band im Harlemer Cotton Club war allerdings ungemütlich: Mike Best, einer der geschäftsführenden Gangster, hatte besondere Motivationsmethoden: "Wenn ihr morgen früh nicht hier seid und den ganzen Tag probt, komme ich mit dem Baseballschläger - ihr könnt euch denken, warum!" Dennoch: Für Ellington und auch für Sänger Cab Calloway war das Engagement in diesem Klub ein Karrieresprung.

Im Herbst 1923 eröffnet - der Name sollte an den "heilen" US-Süden erinnern und vom rauen Harlem ablenken -, bot der äußerlich einer Blockhütte nachgebildete Raum 500 bis 600 Gästen zwei Revueshows pro Jahr.

Besitzer Owney Madden hatte schon acht Jahre Sing Sing hinter sich und wollte nicht sonderlich auffallen - es hatte auch für das Jetset-Publikum eine strikte Ordnung zu gelten. Die Kellner passten auf, dass die Gäste ihre Whiskeyflaschen nicht am Boden abstellten, während der Show wurde um Ruhe gebeten. Wer zu laut war, dem klopfte man auf die Schulter. Wenn das nichts nutzte, gab es eine verbale Verwarnung. Gleichsam die gelbe Karte. Danach folgte die rote - der Rausschmiss.

Was nicht hieß, dass man sich nicht mit der Konkurrenz unsanft auseinander setzte. Als in unmittelbarer Nachbarschaft der Planetation Club eröffnen wollte, statteten ihm einige Cotton-Abgesande einen Besuch ab und verwandelten die Einrichtung in Kleinholz.

Zur Klubordnung gehörte auch Rassendiskriminierung: Die Künstler waren Afroamerikaner, die Ideenbringer und das Publikum weiß. Für den Tänzer Bill "Bojangles" Robinson machte man ab und an eine Ausnahme. Aber der Tisch, den er bekam, stand im Hintergrund nahe der Küche. Erst Ende der 20er-Jahre wurde auch afroamerikanisches Publikum zugelassen.

An diese Klublegende erinnert nun das Buch-CD-Projekt von Bear Family Records. Man hört auf der CD auch Künstler, von denen es bisher keine Tondokumente gab - zusätzlich eine Reportage aus dem Jahre 1921, die der deutsche Journalist Hellmut H. Hellmut direkt aus dem Klub lieferte. Zudem gibt ein aufwändiges Buch einen profunden Überblick über die Musikhistorie und die nicht sehr friedlichen Rahmenbedingungen, unter denen der Jazz damals zu swingen hatte.

Bis der Klub 1940 endgültig seine Pforten schloss. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 12. 2003)

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