Conti-Chef: Weiterer Produktions-Aufbau in Niedriglohn-Ländern

7. Jänner 2004, 19:06
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"Haben in Deutschland keine wettbewerbsfähige Basis"

Hannover - Der Automobilzulieferer Continental hat eine weitere Verlagerung von Produktion sowie Forschung und Entwicklung ins Ausland angekündigt. "Wir werden in den nächsten Jahren weiter Produktion in Niedrigkosten-Ländern aufbauen", sagte Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer in einem dpa-Gespräch. Conti werde damit künftig den größten Teil seines Kapazitätswachstums im Ausland erzielen. "Wir haben in Deutschland keine wettbewerbsfähige Kostenbasis." Ob dies Werkschließungen im Heimatmarkt bedeute, ließ Wennemer offen. Conti hat in Deutschland derzeit mehr als 30 Produktions- und Forschungsstandorte.

Conti hat in der Vergangenheit vor allem Werke in osteuropäischen Billiglohn-Ländern wie Rumänien, Tschechien und der Slowakei gebaut. 2001 hatte Conti weltweit fünf Reifenwerke, darunter auch die Semperit-Fabrik im niederösterreichischen Traiskirchen, mit insgesamt 4.500 Beschäftigten geschlossen.

Forschungs- und Entwicklung in Billiglohn-Ländern

Wennemer sagte, Conti wolle zunehmend auch Forschungs- und Entwicklung in Billiglohn-Ländern aufbauen. "Wir werden aber auch künftig Entwicklung in Deutschland haben. Vor allem die Grundlagenforschung sehe ich auf absehbare Zeit in Deutschland. Aber wenn man ein elektronisches Bremssystem in Grundzügen entwickelt hat und an ein bestimmtes Fahrzeug adaptieren muss, das kann man auch erfolgreich machen in Rumänien, China oder auf den Philippinen."

Derzeit liege der Anteil der Produktion in Billiglohnländern im Reifenbereich in Europa bereits bei mehr als 50 Prozent. "Wir nähern uns der 60 Prozent-Grenze." In den anderen Konzernbereichen liege der Produktionsanteil in Niedrigkosten-Ländern zwischen zehn und mehr als 50 Prozent. "Den größten Nachholbedarf hat die ContiTech, da sind wir bei knapp zehn Prozent des Umsatz, den wir in Low Cost-Ländern haben."

Conti habe bei der Verlagerung daher noch "sehr viel Potenzial" in einzelnen Bereichen. "Wir sind konsequent dabei, dies zu beheben." Eine Zielmarke und einen Zeitplan gebe es aber nicht. "Wir müssen unsere Kostenposition verbessern, der Druck aus der Automobilindustrie nimmt ja nicht ab. Wir schauen uns jeden Bereich an. Je nach dem Ergebnis sind wir dann gezwungen, in Low Cost zu gehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben." Mitte Dezember erst hatte Conti den Bau eines Reifenwerks "wahrscheinlich" in Südamerika angekündigt.(APA/dpa)

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