"Bauernsterben" auf Wiener Stadtgebiet

29. Dezember 2003, 19:12
posten

Pro Jahr verschwinden in der Bundeshauptstadt 40 Landwirtschaftsbetriebe -Besonders die Gemüsebauern litten unter hohen Energiekosten

Wien - Es werden immer weniger. Und zwar um 40 Stück pro Jahr: die Landwirtschaftsbetriebe in der Bundeshauptstadt. Es sind in erster Linie kleine Betriebe und Nebenerwerbsbauern, die keine Nachfolger finden. Dies dokumentiert nun erstmals ein Wiener Landwirtschaftsbericht für die Jahre 2001 und 2002, der im Auftrag der Kommune von der Wiener Landwirtschaftskammer erstellt wurde.

Wie sich zeigt, sind die Landwirtschaftsbetriebe in Wien inmitten eines strukturellen Wandels: Bei den Gartenbaubetrieben wird die Produktion intensiviert - bei den Ackerbaubetrieben werden die Bewirtschaftungseinheiten immer größer.

Mehr Gemüse

In den Jahren 2001 und 2002 wurde die Produktionsmenge der Gartenbaubetriebe derart gesteigert, dass diese beim Gemüse mit einem Marktanteil von knapp zehn Prozent erstmals vorm Burgenland liegen. Wobei beim Gemüse eine starke Spezialisierung auf die Intensivkulturen Paradeiser und Gurken festgestellt wurde.

Und das macht auch Probleme: Zum einen waren hohe Investitionen in Gewächshäuser und die entsprechende Technik nötig. Dazu kamen in genau diesen Jahren die hohen Energiekosten - was die Unternehmenserträge drückte. Beim Strom brachte die Einführung des Kraft-Wärme-Kopplungszuschlages eine "massive Verteuerung für energieintensive Gartenbaubetriebe" mit sich, heißt es im Landwirtschaftsbericht.

Den Ackerbauern wiederum bereitete der Preisdruck bei Getreide Kopfzerbrechen. Dazu kamen ungünstige Witterungsbedingungen und eine massive Virusinfektion beim Getreide. Zu den geringeren Ertragsmengen kam auch noch ein Rückgang der Erzeugerpreise. Bei den Feldfrüchten sank der Erzeugerpreisindex 2002 auf einen "absoluten Tiefstand". Einzig die Zuckerrübe erwies sich als "tragende Säule". 2001 konnten die Einkünfte der Ackerbaubetriebe noch ein wenig gesteigert werden - im Jahr darauf sanken sie allerdings wieder auf das Niveau von 2000.

Wie der Bericht weiter zeigt, macht sich der generelle Öko-trend auch in Wien bemerkbar: Der Anteil jener Flächen, die nach der EU-Verordnung für den biologischen Landbau bewirtschaftet werden, wurde 2002 um 270 Prozent auf etwa 660 Hektar gesteigert. Das entspricht in etwa einem Anteil von elf Prozent der Wiener Ackerfläche.

Die Landwirtschaftskammer stellte übrigens fest, dass bei den Fördergeldern das Land Wien mit 25 Prozent der Fördergelder mehr als der Bund zur Entwicklung der Wiener Landwirtschaft beigetragen hatte. Mehr als die Hälfte der Fördermittel kamen von der EU. Generell sind die Fördermittel 2002 um 17 Prozent auf 5,9 Millionen Euro gestiegen - vor allem wegen der höchsten Investitionstätigkeit bei Garten- und Weinbaubetrieben seit dem EU-Beitritt.

Gefordert werden in erster Linie langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen - vor allem im Bereich der Infrastruktur. Auch seien Maßnahmen für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bei Produktion und Vermarktung notwendig, stellte die Landwirtschaftskammer fest. Weiters sollte die soziale Situation der Landwirte und deren Aus-und Weiterbildung noch verbessert werden. (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.12.2003)

Wie der kürzlich fertig gestellte erste Landwirtschaftsbericht zeigt, kamen die Ackerbauern im Jahr 2002 unter Preisdruck.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ernte in Tullnerfeld nahe Wien.

Share if you care.