"Postskriptum ohne Reue"

30. Dezember 2003, 12:22
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Das wegen seiner Israel-Kritik umstrittene Honderich-Buch erscheint neu übersetzt und erweitert - Antisemitismus-Vorwurf zurückgewiesen

Frankfurt/Main - Das wegen seiner Israel-Kritik umstrittene Buch "Nach dem Terror. Ein Traktat" des kanadischen Philosophen Ted Honderich ist jetzt in einer erweiterten und neu übersetzten Auflage im Melzer Verlag erschienen. Der Autor habe dem Buch ein etwa 50-seitiges Kapitel und ein "Postskriptum ohne Reue" angefügt, in dem er den Vorwurf des Antisemitismus zurückweise und zur Rezeption des Buches in Deutschland Stellung nehme, teilte der Verlag mit.

Neuübersetzung notwendig

Eine Neuübersetzung aus dem Englischen sei notwendig geworden, weil der Frankfurter Suhrkamp Verlag sich geweigert habe, dem Melzer Verlag die alte Übersetzung zur Verfügung zu stellen.

Suhrkamp distanzierte sich

Suhrkamp hatte sich Anfang August nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen den in London lebenden Honderich von dem Buch distanziert. Der Verlag hatte nach der ersten Auflage keine weitere mehr gedruckt und die deutschen Rechte zurückgegeben. Honderich hatte in seinem Essay das "moralische Recht der Palästinenser zum Widerstand" gegen den Staat Israel verteidigt und Verständnis für die Selbstmordanschläge geäußert.

Verleger Melzer ist selbst Jude

Der Verleger Abraham Melzer, der selbst Jude ist, sagte, über die These Honderichs "kann, soll und muss man diskutieren". Der Leser solle sich aber selbst ein Urteil bilden. Ein Buch "aus dem Verkehr zu ziehen" und damit jede Kritik im Keim zu ersticken, sei der verkehrteste aller Wege. Melzer bezeichnete es als "Skandal", dass Suhrkamp und der renommierte Philosoph Jürgen Habermas, der das Buch Suhrkamp empfohlen hatte, unter dem öffentlichen Druck auf Distanz gegangen seien.

Der einst in Darmstadt ansässige Melzer Verlag gab früher Bücher von jüdischen Philosophen wie Martin Buber heraus. In den 70er Jahren spezialisierte sich Abraham Melzer auf Comics für Erwachsene wie zum Beispiel Übersetzungen des US-Cartoonisten Robert Crumb. (APA/dpa)

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