"Die Frau Außenministerin muss noch lernen"

26. Dezember 2003, 14:54
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Jörg Haider nimmt von seinen Attacken nichts zurück, sondern fordert im STANDARD-Interview Entschuldigungen ein

Wien/Klagenfurt - Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sieht keinen Grund, seine Aussagen über Saddam Hussein, George Bush und Israel zu korrigieren. Er wirft seinen politischen Gegnern vielmehr vor, "eine an sich völlig richtige Aussage zu skandalisieren".

"Aussagen verzerrt und skandalisiert"

Im Gespräch mit dem mit Elisabeth Steiner sagte Haider: "Ich habe Israel nicht als Diktatur bezeichnet. Ich habe gesagt, dass im geografischen Raum bis hin nach China und Israel einige Diktatoren leben." Außerdem habe er "keine Gleichstellung zwischen Bush und Saddam Hussein getroffen". Auf die Frage, ob er etwas zurücknehme, meinte Haider: "Die anderen sollen sich einmal dafür entschuldigen, dass sie ständig meine Aussagen verzerren."

FP-Chef Herbert Haupt meinte dazu, "Kritik an den USA muss wohl erlaubt sein". Israel sei "an und für sich ein demokratischer Rechtsstaat. Aber manche Maßnahmen der heutigen Regierung sind für einen Demokraten sehr bedenklich." Dass die FPÖ nun ihre Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner infrage stelle, habe nichts mit deren Kritik an Haider zu tun.


STANDARD: Ihre Aussagen zu Saddam Hussein, Präsident Bush und Israel haben heftige Empörung ausgelöst. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Haider: Das ist ein neuerlicher untauglicher Versuch, eine an sich völlig richtige Aussage zu skandalisieren. Noch einmal zur Klarstellung: Ich habe Israel nicht als Diktatur bezeichnet. Ich habe gesagt, dass in dem geografischen Raum bis hin nach China und Israel einige Diktatoren leben.

Wenn ich mir heute anschaue, wie westliche Politiker, allen voran aus den USA, Leuten in China die Hände schütteln, an denen noch das Blut vom Massaker auf dem Tiananmen-Platz klebt: Da wird mit zweierlei Maß gemessen.

STANDARD: Bedauern Sie die Auswirkungen Ihrer Aussagen?

Haider: Ich habe auch keine Gleichstellung zwischen Bush und Saddam getroffen. Das alles ist reine Interpretation und mediale Übertreibung. Die überwiegende Anzahl der Bevölkerung sagt, der Haider hat ausgesprochen, was viele denken. Da versteht keiner, warum der Überfall auf den Irak erst medial kritisiert wird, und dann ist es plötzlich kritikwürdig, nur weil es der Haider sagt. Das empfindet die Bevölkerung als Heuchelei.

STANDARD: Sie nehmen also nichts zurück?

Haider: Die anderen sollen sich einmal dafür entschuldigen, dass sie ständig meine Aussagen verzerren. Ich habe ein Recht auf freie Meinungsäußerung.

STANDARD: Haben Sie sich damit nicht selbst ins politische Eck gestellt? Immerhin wollen Sie SPÖ und ÖVP in Kärnten nicht mehr als Landeshauptmann.

Haider: Das hatten sie doch schon längst geplant. Vor allem die Kärntner ÖVP. Par-

teichef Georg Wurmitzer hat unserem Klagenfurter Stadtrat Mario Canori ja schon einen Landesregierungssitz angeboten. Weil wir den Haider verhindern und nicht mehr wählen werden, hat er gesagt. Derselbe Wurmitzer hat ja schon einige Attacken gegen die FPÖ angeführt. Er war schon der Drahtzieher bei meiner Abwahl 1991. Jetzt sticht ihn offenbar wieder der Hafer.

STANDARD: Wie wollen Sie denn ohne Partner Landeshauptmann werden?

Haider: Es wird der ÖVP nicht gelingen, die FPÖ mit einem anderen Kandidaten zu spalten. Wir werden nach der Wahl wieder Nummer eins werden. Dann werden die Paktparteien SPÖ und ÖVP erklären müssen, wie sie sich gegen diese demokratische Entscheidung hinwegsetzen wollen.

STANDARD: Und wenn Sie nicht Nummer eins werden: Gehen Sie dann in die Bundespolitik zurück?

Haider: Das weiß ich noch nicht. Wenn wir nicht stimmenstärkste Partei werden, haben wir nicht das Recht, den Anspruch auf den Landeshauptmann zu erheben.

STANDARD: Fühlen Sie sich als Belastung für die Koalition, wie die Opposition sagt?

Haider: Ich glaube, dass die Kärntner ÖVP eine Belastung für die Koalition ist. Das ganze ist ein Rachefeldzug von Wurmitzer gegen Haider. Da muss er selber aufpassen, dass nicht er übrig bleibt.

STANDARD: Auch Außenministerin Benita Ferrero-Waldner hat Ihre Aussagen kritisiert.

Haider: Die Frau Außenministerin muss noch lernen, wie man in Belastungssituationen reagiert. Da muss man zuerst lesen, was hat er wirklich gesagt, und nicht mir später erklären: Es tut mir ja so Leid, aber ich halb’ halt reagieren müssen. Das hat der Bundeskanzler Schüssel viel besser gemacht. (DER STANDARD, Printausgabe, 20./21.12.2003)

  • Haider über die Außenministerin: "Die Frau Außenministerin muss noch lernen, wie man in Belastungssituationen reagiert. Da muss man zuerst lesen, was hat er wirklich gesagt, und nicht mir später erklären: Es tut mir ja so Leid, aber ich halb’ halt reagieren müssen."
    foto: standard/cremer

    Haider über die Außenministerin: "Die Frau Außenministerin muss noch lernen, wie man in Belastungssituationen reagiert. Da muss man zuerst lesen, was hat er wirklich gesagt, und nicht mir später erklären: Es tut mir ja so Leid, aber ich halb’ halt reagieren müssen."

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