RealNetworks geht mit Milliardenklage gegen Microsoft vor

5. Jänner 2004, 12:37
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Integration des Media Players "wettbewerbswidrig" - Geschäftspraktiken haben sich durch Verurteilungen nicht verändert

RealNetworks, Hersteller von digitaler Video- und Audio-Software, hat den Softwareriesen Microsoft erneut vor den Kadi geschleift. Das in San Francisco ansässige Unternehmen wirft Microsoft in der Klage vor, durch die Bündelung seines digitalen Media-Players mit dem Windows-Betriebssystem seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Ein Vorwurf, der Erinnerungen an den Browser-Krieg weckt, den Microsofts Internet Explorer gegen Netscape für sich entschieden hat. Real wirft Microsoft vor, die bereits von Gerichten als wettbewerbswidrig und illegal beurteilten Geschäftspraktiken weiterhin anzuwenden. Daher sei im kalifornischen San Jose eine Klage eingebracht worden, teilte das Unternehmen in einer Aussendung mit.

Spielchen

"Wir glauben, dass unser Geschäft heute wesentlich größer sein würde, wenn Microsoft sich an die Regeln halten würde", begründete RealNetworks-Chairman und CEO Rob Glaser die Klage. Den Schaden für das Unternehmen schätzt Real auf bis zu eine Milliarde Dollar. Die Geschäftsprakitiken von Microsoft seien darauf ausgerichtet, Wettbewerb zu behindern, die Wahlfreiheit des Konsumenten einzuschränken und das wachsende Geschäftsfeld für digitale Medien zu monopolisieren. So habe der Konzern seine Monopolstellung benutzt, um PC-Herstellern vorzugeben, wie konkurrierende Media-Player installiert werden müssen. Der eigene Media-Player sei in das Betriebssystem integriert worden. Die Klage soll eine Entwicklung wie bei den Browsern verhindern.

Bedauern

Microsoft nannte die Klage "bedauerlich" und "überraschend" vor dem Hintergrund der herrschenden Konkurrenz im Bereich der Media-Software. Die Klage ist nicht nur brisant, weil sie die Geschäftspraktiken nach der Beilegung der Rechtsstreitigkeiten mit der US-Wettbewerbsbehörde neu aufrollt. In Europa beschäftigen sich gerade die Wettbewerbshüter der EU mit der Bündelung des Microsoft Media-Players mit dem Windows-Betriebssystem. Die Argumentation, die Software sei ein integraler Bestandteil des Betriebssystems, scheiterte schon im Rechtsstreit um die Browser.

Absicht

Experten in Sachen Wettbewerbsrecht meinen laut New York Times, dass die Microsoft-Strategie der Bündelung einzelner Programme mit dem marktbeherrschenden Betriebssystem ein "kalkuliertes Risiko" des Konzerns sei. Da die Strategie bisher effizient war, werden Klagen daran nichts ändern, so die Experten. Microsoft werde mit der Bündelung strategisch wichtiger Applikationen fortfahren und jedesmal Klagen in Kauf nehmen. (pte)

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