Weiter Weg zur Eindämmung des Menschenhandels

17. Dezember 2003, 12:21
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Trainingsprogramm zur Strafverfolgung in Wien präsentiert - Opfer sind vor allem Frauen, aber auch Zahl der Männer steigt

Wien - Im Vienna International Center (VIC) wurde am Dienstag ein Strafverfolgungs-Trainingsprogramm präsentiert, das in Zusammenarbeit mit 13 Südosteuropäischen Staaten einen Beitrag zur Eindämmung des Menschenhandels leisten soll.

Das Programm, das vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), vom UNO-Büro zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) und vom Internationalen Zentrum für Migrationsentwicklung (ICMPD) unter der Schirmherrschaft des Stabilitätspaktes für Südosteuropa entwickelt wurde, setzt an zwei Angelpunkten an: Die erste Ebene soll Schulungen nichtspezialisierter Polizeikräfte zur Identifizierung und psychologischen Betreuung von Opfern des Menschenhandels erfassen. Die zweite Ebene soll sich mit der Ausbildung von spezialisierten Polizeieinheiten und FahnderInnen beschäftigen, die im Bereich 'Menschenhandel' tätig sind. Das Programm soll sowohl globale als auch regionale Standards erschließen.

Weiter Weg

Der UNO-Beauftragte Paul Holmes sprach von einem "großartigen Erfolg, der in einzigartiger Zusammenarbeit mit den südosteuropäischen Staaten" gelungen sei. "Das Trainingskonzept ist das erste harmonisierte Programm gegen Menschenhandel weltweit und wird globaler Standard werden", so der UNO-Beauftragte. Holmes räumte jedoch ein, dass der Weg dahin "noch sehr, sehr weit" sei.

Die UNO-Gesandte Kristina Kangaspunta lieferte Fakten zur aktuellen Lage des 'menschlichen Warenverkehrs'. So sollen aus den vier südosteuropäischen Ländern Rumänien, Albanien, Bulgarien und Moldawien über 90 Prozent der identifizierten Opfer kommen, Hauptgrund für das leichte Spiel der MenschenhändlerInnen sei - wenig überraschend - die Armut. Frauen, junge Mädchen und Kinder zählten nach wie vor zur Hauptgruppe der Opfer, die Zahl der Männer sei aber im Zunehmen.

MenschenhändlerInnen hauptsächlich Männer

Die MenschenhändlerInnen selbst würden sich in schwach vernetzten Gruppen formieren, die sich in drei logistische Bereiche aufteilen ließen: Rekrutierung, Transport und Ausbeutung ihrer Opfer. Die meisten MenschenhändlerInnen seien Männer, vor allem in der südosteuropäischen Region. Es gäbe aber auch Händlerinnen. So seien in nigerianische Menschenhändel vorrangig Frauen verstrickt. In einigen Fällen habe sich herausgestellt, dass sich mutmaßliche Opfer später als Täterinnen entpuppt haben.

Der Opferschutz in westeuropäischen Ländern fand auf der Pressekonferenz ebenfalls Erwähnung und wurde als mangelhaft gewertet. "Opfer sollten nur dann in ihr Heimatland zurückgeschickt werden, wenn sie das entweder ausdrücklich wollen, oder wenn garantiert werden kann, dass eine Abschiebung sicher ist", so der UNO-Gesandte Paul Holmes. (APA)

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    Programm zur Eindämmung des Menschenhandels soll bald auf globaler Ebene angewandt werden.
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