Jetzt auf zu neuen Trilogien!

16. Dezember 2003, 18:28
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Die US-Filmindustrie plant bereits eifrig weitere Fantasy-Serien

Man muss gar nicht unbedingt Millionen und Milliarden-Dollar-Einspielergebnisse vorhersagen, um zu demonstrieren, wie profitabel ein FranchisepProjekt wie Der Herr der Ringe ist. Eine Milchmädchenrechnung veranschaulicht ganz gut, dass ein durchschnittlicher Fan dieser Tage vermutlich einiges Geld in den Genuss der Kinotrilogie investiert.

Nach einem Besuch eines Triple Feature im nächsten Multiplexkino sollte eigentlich der Erwerb der (längeren) DVD-Versions-Luxus-Packages (insgesamt um rund 90 Euro) unvermeidlich sein. Bücher zum Film, Computerspiele in jedem erdenklichen Format, auch Luxuseditionen von Tolkiens Klassiker sind en masse verfügbar. Und weil das wahrscheinlich nicht die ultimative Version von Herr der Ringe war (ganz zu schweigen davon, dass der Vorläuferroman Der Hobbit noch gar nicht verfilmt ist), scheint ein Ende des Booms nicht absehbar.

Unterdessen tüfteln in Hollywood Produzenten und Kreative bereits über potenziellen Nachfolgern: weitere Kinoserien, mit denen vergleichbare Marktsegmente gehalten werden sollen. Am weitesten gediehen sind zwei Projekte: Ein erster Film nach Lemony Snickets bärbeißiger Jugendbuchreihe A Series of Unfortunate Events wird demnächst mit Jim Carrey in einer Hauptrolle gedreht. Und als Epos vergleichbar mit dem Herrn der Ringe wird jetzt schon His Dark Materials, eine Romantrilogie des britischen Schriftstellers Philip Pullman gehandelt - die gerade vom Dramatiker und Drehbuchautor Tom Stoppard für das Kino adaptiert wird und für die bereits Peter Weir (Master and Commander) als Regisseur angedacht wurde.

His Dark Materials, auf Deutsch unter den Titeln Der goldene Kompass, Das magische Messer und Das Bernstein-Teleskop bei Carlsen erschienen (Achtung! Großartiges Weihnachtsgeschenk!), erzählt die Geschichte zweier Jugendlicher, die zwischen mysteriösen Parallelwelten herumirren, in denen es vor Fantasy-Geschöpfen nur so wimmelt. Gleichzeitig kommt er populärwissenschaftlichem Interesse an Physik, Kunst- und Kulturgeschichte entgegen. Für Möglichkeiten, mithilfe digitaler Techniken opulente Szenarien zu erzeugen, ist hinreichend gesorgt.

Bei der Suche nach kinotauglichen Stoffen hat man mittlerweile auch die deutsche Jugendbuchautorin Cornelia Funke kontaktiert. Ihr Kinder-Fantasy-Buch Drachenreiter soll ein Kinozweiteiler werden. Und der größte Coup dürfte Funkes erste große Trilogie werden, von der bis dato eigentlich erst Teil 1, Tintenherz erschienen ist.

Auch hier geht es wie bei Pullman um Kommunikation zwischen realen Figuren und erdachten Geschöpfen. Und wenn man jetzt daran denkt, dass George Lucas' Star Wars: Episode 3 für Sommer 2005 erwartet wird und noch fünf weitere Harry Potter-Filme (der nächste kommt im Sommer 2004) produziert werden, dann fragt man, wie stark das noch werden soll: das Gesetz der Serie. (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2003)

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