Maiers langes Warten auf Gerichtstermin

10. Dezember 2003, 15:39
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Termin für Strafverhandlung gegen deutschen Pensionisten wird zu Beginn 2004 festgesetzt - Münchner Amtsrichter schlägt Verteidigung Prozess-Verkürzung vor

Salzburg - Während Hermann Maier im Ski-Weltcup wieder mit Bestzeiten unterwegs ist, steht ein Gerichtstermin im Zusammenhang mit seinem schweren Motorradunfall noch aus. Mittlerweile wurde der am Unfall beteiligte bayerische Pensionist wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verurteilt. Die Verteidigung erhob dagegen Einspruch und strengte einen Strafprozess an. Weil der zuständige Richter erkrankt war, ging monatelang nichts weiter. Ein neuer Richter bietet nun der Verteidigung an, sich bis Mitte Jänner 2004 zu überlegen, den Einspruch nur auf die Strafhöhe zu beschränken.

Der deutsche Autofahrer wurde im August 2002 zu einer 2.750 Euro hohen Geldstrafe und einem Monat Fahrverbot verurteilt. Nach deutschem Recht sei es möglich, nicht den gesamten Strafbefehl anzugreifen, sondern den Einspruch nur auf die Strafhöhe zu beschränken, erläuterte Wilma Resenscheck vom Amtsgericht München. Der zuständige Richter Christian Lebert sei mit diesem Vorschlag an den Verteidiger des 74-jährigen Wolfang S. aus Riemerling herangetreten. Ende Jänner soll dann ein Prozesstermin festgesetzt werden.

Bis Ende dieser Woche will der Anwalt des Rentners, Emanuel Besold, eine Entscheidung treffen, ob er auf den Vorschlag des Münchner Amtsrichters eingeht. Nach deutschem Recht ist erst dann ein Beweisverfahren notwendig, wenn der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft beeinsprucht wird. Beschränkt sich der Prozess nur auf Fragen zum Strafmaß, werde das Verfahren "wesentlich verkürzt", erläuterte Besold. "Dann müssen weder sämtliche Zeugen aus Österreich noch Hermann Maier selbst nach München reisen." Er und sein Mandant seien keine Feinde des Salzburger Skifahrers, sondern Fans. "Wir wollen keinen Stein auf Maier werfen", er hoffe aber doch, dass der Richter im Urteil von einem Mitverschulden des Österreichers ausgehe.

Besold begründete den Einspruch des Strafbefehls damit, man wolle den Unfallhergang "ins rechte Licht rücken und die Mitschuld Maiers nachweisen". Maier, der am 24. August 2001 mit seinem Motorrad auf der Katschberg-Bundesstraße (B 99) bei Radstadt (Pongau) hinter dem Deutschen fuhr, "hätte laut Straßenverkehrsordnung den Pkw gar nicht überholen dürfen", argumentierte Besold. Der "Herminator" touchierte dabei das Fahrzeug des Deutschen, der links abbiegen wollte. Maier kam zu Sturz und zog sich eine schwere Beinverletzung zu.

Nach Ansicht der Münchner Staatsanwaltschaft sei ein Linksabbiegen an der Unfallstelle durch ein dort aufgestelltes Verkehrszeichen verboten gewesen. Der Verteidiger ist aber der Ansicht, erst nach dem Unfall sei das Schild angebracht und eine Sperrlinie gezogen worden.

Über die Höhe der Schadensersatzforderungen an die Versicherung des Pensionisten wurde eine Summe von fünf Millionen Euro kolportiert.(APA)

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