Maier siegt wieder in der Abfahrt

12. Dezember 2003, 13:43
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Erster Erfolg in der Königsdisziplin seit dem Comeback - Hans Knauss und Andreas Schifferer komplettieren ÖSV-Triple - Miller wieder out

Beaver Creek - Hermann Maier ist endgültig zurück. Der Ski-Superstar aus Österreich gewann am Samstag die zweite Abfahrt in Beaver Creek mit dem gigantischen Vorsprung von 0,95 Sekunden auf Hans Knauß und feierte seinen ersten Abfahrtssieg seit dem Comeback nach dem Motorrad-Unfall. Einen Tag vor seinem 31. Geburtstag holte Maier damit seinen 44. Weltcup-Sieg und den bereits achten Erfolg auf der Raubvogelpiste in Beaver Creek, die wahrhaftig sein "Wohnzimmer" ist. Andreas Schifferer komplettierte als Dritter den Triumph für den ÖSV, der gleich sieben Läufer unter die ersten Neun brachte.

Traumlauf

Aber ein Mann überstrahlte an diesem Tag selbst diesen unglaublichen Mannschaftserfolg. Hermann Maier gelang ein Traumlauf wie zu seinen besten Zeiten. Mit 1:39,76 blieb er nicht nur als zweiter Fahrer nach Vortagssieger Daron Rahlves auf der Birds of Prey unter 1:40 Minuten, er distanzierte den Rest der Welt um fast eine Sekunde und mehr. Am Sonntag im Super G hat der "Herminator", der mit diesem Erfolg auch die Führung im Gesamtweltcup übernommen hat, die Chance auf einem weiteren Sieg.

Maier verwundert

"Unglaublich. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", zeigte sich Maier im Abfahrts-Ziel tief bewegt. "Vor einem Jahr habe ich mir dieses Rennen noch zu Hause vor einer Bareröffnung im TV angeschaut und nicht gewusst wie es weiter geht mit mir. Und jetzt habe ich wieder hier gewonnen", schüttelte der Salzburger verwundert über sich selbst den Kopf.

Mit neuen Latten

Einen Tag nachdem er sich bei der Skiwahl völlig vergriffen hatte und mit dem Trainings-Ski "nur" Fünfter geworden war ("Mir ist die Trainingsbestzeit auf den Kopf gefallen, ich wollte unbedingt mit dem gleichen Ski fahren"), passte am Samstag bei wärmeren Temperaturen (+ 4 Grad am Start auf 3.500 m) und auf anderen Latten für Maier alles perfekt.

"Rakete untergeschnallt"

"Mein Servicemann Edi Unterberger hat mir eine wahre Rakete untergeschnallt, ich brauchte nur noch ganz normal runter zu fahren", bedankte sich Maier. Trotzdem sei im nicht gleich klar gewesen, was ihm da schon wieder gelungen ist. "Ich bin nicht ganz so weit gesprungen wie in der ersten Abfahrt. Aber als ich im Ziel den Einser und den Vorsprung auf Hans (Knauß) gesehen habe, wusste ich, dass alles sehr gut gepasst hat."

"Da fehlt noch einiges"

Und wie es passte. Maier siegt nicht nur wieder, er legt zwischen sich und den Rest der Konkurrenz auch wieder Respektabstände. "Ich weiß, es schaut so aus, als ob ich schon wieder bin, wo ich früher war. Aber da fehlt noch einiges", relativierte Maier seine Galavorstellung aber ein wenig.

Knauß hoch zufrieden

Der Einzige, der da wenigstens auch verbal dagegen halten durfte, war mit Hans Knauß auch der Einzige, der den Rückstand auf Maier unter einer Sekunde gehalten hatte. Einen Tag, nachdem der Steirer den greifbaren Sieg durch einen Torfehler verspielt hatte, war er mit Platz zwei hoch zufrieden.

"Auf Sicherheit gefahren"

"Es ist eine große Entschädigung. Ich war gestern bis zum Ausfall der schnellste Mann im Rennen. Ich wusste aber auch, dass ich deshalb heute ein Ergebnis bringen muss, weil sonst wieder die Quali droht. Deshalb bin ich auf Sicherheit gefahren, da wäre noch eine Menge mehr drin gewesen", sagte Knauß und deutete an, dass er durchaus auch Maier gefährden hätte können. "Es wäre zumindest knapper geworden."

Walchhofer: "Ein Wahnsinn"

Stephan Eberharter kam 24 Stunden nach Platz zwei auf der immer unruhiger werdenden Piste nur auf Rang zwölf ("Die Fahrt war viel schlechter als am Freitag"), der sechstplatzierte Michael Walchhofer ist in der Gesamtwertung nun hinter Maier Zweiter. "Es war nicht mehr leicht zu fahren, deshalb bin ich zufrieden", sagte Walchhofer und verneigte sich auch vor dem Sieger. "Ein Wahnsinn. Er hat damit bestätigt, dass das hier wirklich sein Wohnzimmer ist."

Pech für Trinkl

Pechvogel im ÖSV-Team war Hannes Trinkl, der sich unter der Fahrt am Knie verletzte und aufgab. Der Grad der Verletzung war vorerst nicht bekannt. Wie am Vortag ausgefallen ist Bode Miller (USA). (APA)

Ergebnisse der zweiten Weltcup-Abfahrt der Herren in Beaver Creek am Samstag:

  1. Hermann Maier         AUT 1:39,76 
  2. Hans Knauß            AUT   +0,95 
  3. Andreas Schifferer    AUT   +1,19 
  4. Daron Rahlves         USA   +1,25
  5. Klaus Kröll           AUT   +1,32
  6. Michael Walchhofer    AUT   +1,36
  7. Marco Büchel          LIE   +1,41
  8. Johann Grugger        AUT   +1,50
  9. Fritz Strobl          AUT   +1,61
 10. Patrik Järbyn         SWE   +1,66
 11. Franco Cavegn         SUI   +1,80 
 12. Stephan Eberharter    AUT   +2,00 
 13. Kristian Ghedina      ITA   +2,14 
 14. Lasse Kjus            NOR   +2,18 
 15. Bjarne Solbakken      NOR   +2,23 
 16. Peter Rzehak          AUT   +2,34 
   . Kurt Sulzenbacher     ITA   +2,34 
 18. Sebastien Fournier-B. FRA   +2,40
 19. Didier Defago         SUI   +2,60 
 20. Andrej Jerman         SLO   +2,61 
   . Bruno Kernen          SUI   +2,61 
 22. Ambrosi Hoffmann      SUI   +2,65 
 23. Nicolas Burtin        FRA   +2,81 
 24. Bryon Friedman        USA   +2,87 
 25. Yannick Bertrand      FRA   +2,97 
 26. Norbert Holzknecht    AUT   +3,01
 27. Aksel Lund Svindal    NOR   +3,16
 28. AJ Bear               AUS   +3,18
 29. Peter Fill            ITA   +3,19
 30. Rolf Von Weissenfluh  SUI   +3,20
Ausgeschieden: Hannes Trinkl (AUT), Bode Miller (USA), Gregor Sparovec (SLO)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Überragende Bestzeit von Hermann Maier in der zweiten Abfahrt von Beaver Creek.

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