Jungendliche immer häufiger hoch verschuldet

5. Dezember 2003, 13:55
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Schon 20- bis 23-Jährige müssen Privatkonkurse anmelden - Arbeitslosigkeit, Auto und Handy sind Hauptverursacher

Wien - Die Anzahl hochverschuldeter Jugendlicher und junger Erwachsener nimmt zu, warnt die Bundesjugendvertretung. Schon 20- bis 23-Jährige müssten Privatkonkurse anmelden. Der Dachverband heimischer Jugendorganisationen forderte bessere Prävention.

Umgang mit Geld lernen

"Den Umgang mit Geld muss man lernen", sagte Geschäftsführer Bernd Lunglmayr. Der in Jugendinfostellen österreichweit aufliegende Folder "Risiko-Check!" soll die Gefahr erkennen helfen - am besten schon vor dem Weihnachts-Shopping.

Schuldenfalle Nummer eins: das Auto

Schuldenfalle Nummer eins - besonders für junge Männer - ist das Auto, sagte Ferdinand Herndler, Geschäftsführer der Schuldner- und Familienberatung des Vereins für prophylaktische Sozialarbeit in Linz.

Handy

Allzu viele junge Menschen würde zudem das Handy in die finanzielle Misere stürzen. In beiden Fällen werde oft vergessen, dass nicht nur die Anschaffung, sondern auch der Betrieb viel Geld kosten können.

Arbeitslosigkeit

Auslöser fürs Schuldenmachen seien auch bei der Jugend meist Einkommensverlust durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Der Grundstock werde aber häufig schon früher gelegt - durch zu knappes Kalkulieren mit den Einnahmen und Ausgaben, warnte Herndler.

Kaufverhalten

Wie groß das Problem tatsächlich ist, dazu gebe es keine konkreten Daten. Die Bundesjugendvertretung verlangt deswegen Untersuchungen zum Thema Jugend und Schulden. Bei der Linzer Schuldner- und Familienberatung waren 21 Prozent der im Jahr 2002 neu angemeldeten Personen unter 25 Jahre alt - 1997 waren es erst 7,1 Prozent. 33 Prozent der unter 25-jährigen Klienten sind arbeitslos, 45 Prozent verdienen weniger als 750 Euro. Das Kaufverhalten der Jugend bestimmen zwei Faktoren immer mehr: zum einen Prestigegewinn durch Markenartikel, zu anderen kompensatorisches Kaufen, um das Selbstwertgefühl aufzumöbeln.

Umgang mit Geld

Aufklärung wäre notwendig: Einem IMAS-Report (August 2003) zufolge geben 23 Prozent der 16- bis 29-Jährigen an, dass sie "keine gute Hand fürs Geld" haben. Bei 21 Prozent ist das Gehaltskonto häufig überzogen. Laut dem aktuellen Bericht zur Lage der Jugend waren die Teens und Twens noch nie so wohlhabend, aber auch nie zuvor so verschuldet. Ein Drittel der weiblichen Befragten ab 20 gab an, Schulden oder einen Kredit zu haben. Nur 16 Prozent der Mädchen und jungen Frauen mit eigenem Einkommen bleibt am Monatsende genügend Geld übrig. Bei den 20- bis 24-jährigen Männern gaben neun Prozent an, verschuldet zu sein, 19 Prozent haben einen Kredit laufen.

Der Bundesjugendverband kritisiert "das Fehlen einer politischen Auseinandersetzung mit den sozialen Ursachen" wie der Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse, Lehrstellenknappheit oder Jugendarbeitslosigkeit. Zudem seien bessere gesetzliche Rahmenbedingungen nötig, etwa in Sachen Kontoüberziehung. (APA)

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