Die Akademisierung des Tourismus

19. Juni 2006, 14:44
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Je breiter, sprich: je demokratischer die Schicht der Gäste wird, desto besser, spezieller, höher wird die Ausbildung der im Tourismus Beschäftigten - Salzburg bietet ab kommendem Frühjahr eine Ausbildung für Tourismus und Freizeitmanagement an

Die Spezialisierung aller Lebensbereiche konnte natürlich auch nicht vor der Freizeitwirtschaft Halt machen: Wo früher die ehrenamtlichen "Wegerlbauer" den freiwillig von überall herströmenden Gästen karges Quartier und kaltes Quellwasser boten, versuchen jetzt akademisch ausgebildete Touristiker Freizeitmanagement von der feinsten Sorte anzubieten - bis hin zu freilich nicht immer voll ausgelasteten Disney-Welten.

Jetzt hat sich auch die Salzburg Management GesmbH im Rahmen ihrer University of Salzburg Business School einen viersemestrigen MBA-Studienlehrgang ausgedacht: für Tourismus und Freizeitmanagement. Tourismuswerbung und Hoteliersvereinigung applaudieren heftig, freilich sind dafür - für vier Semester - insgesamt 20.800 Euro hinzublättern.

Praktiker können teilnehmen

"Das ist am unteren Rand der üblichen Kosten", versichert Richard Hammer, einer der künftigen Studienlehrgangsleiter, ansonsten Wirtschaftsprofessor an der Uni Salzburg. Zwar handelt es sich bei diesem Programm für die künftigen Topmanager im Tourismus- und Freizeitsektor um ein Postgraduate-Studium, doch hat man berufstätigen Praktikern die Möglichkeit der Teilnahme offen gelassen. Und da es sich um jeweils dreiwöchige Blockseminare handelt, können auch Zweit- und Drittstudenten ebenso wie geplagte Hotelmanager nach den akademischen Sternen greifen.

Das erste Modul beginnt am 15. März 2004 in Salzburg, das nächste am 13. September in St. Gallen, dann folgt Bozen am 14. März 2005, und es endet in Kanada am 12. September. Wie gesagt, jeweils drei Wochen, wobei zahlreiche praxisbezogene Exkursionen beinhaltet sind. Erste Anmeldungen liegen bereits vor.

Praxisbezug

Die Lehrinhalte wurden in Zusammenarbeit mit dem anerkannten Management-Institut in St. Gallen entwickelt, welches auch personell zum Studienlehrgang beiträgt. Schwerpunkte werden das Tourismus- und Freizeitsystem, die Planung des Produkts und der Destination, Strategie und Businessmodelle, Prozessmanagement, Leadership und Human Resources, Organisation sowie Accounting und Finanzen sein. Die Unterrichtssprache ist Englisch.

Susanne Winter, Marketingchefin der Österreich-Werbung, glaubt fest an den Bedarf für den Tourismus- und Freizeit-Master. Zwar verfüge Österreich schon jetzt über die vielfältigsten Lehrgänge für Tourismus, aber ein spezifisches Studium gebe es derzeit nicht.

Frische Tourismus-Master 2005

Der Chef der Österreichischen Hoteliersvereinigung, Sepp Schellhorn, kann es gar nicht erwarten, bis 2005 der erste frisch gebackene Tourismus-Master Salzburg verlässt. Ist doch die Bedeutung des Fremdenverkehrs inzwischen bei 18,7 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt angelangt, und der Kampf um jeden Gast wird von Jahr zu Jahr härter. Den Bedarf an professionellen Tourismusmanagern sieht auch Andreas Steibl vom Tourismusverband Ischgl, dem touristischen Aushängeschild Österreichs, welches auch durch Events groß geworden ist.

Der Wiener in Tirol hat für die Fremdenverkehrsämter alten Stils nur Spott übrig, und: "Humankapital ist die wichtigste Investition in einem Tourismusverband, eine akademische Ausbildung sollte dabei nicht unbedingt ein Nachteil sein." (DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.11.2003,pest)

  • Der Kampf um um Touristen wird von Jahr zu Jahr härter, jetzt wurde eine neue Ausbildung initiiert: 
Die University of Salzburg Business School 
bietet ab kommendem Frühjahr einen MBA für Tourismus und Freizeit- Management an
    foto: mdi

    Der Kampf um um Touristen wird von Jahr zu Jahr härter, jetzt wurde eine neue Ausbildung initiiert: Die University of Salzburg Business School bietet ab kommendem Frühjahr einen MBA für Tourismus und Freizeit- Management an

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