Finanzämter werden verkauft

11. Dezember 2003, 16:26
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Die Bundesimmobilien- Gesellschaft muss Teile ihrer Amtsgebäude verkaufen - Der Finanzminister will 282 Millionen Euro lukrieren

Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser will von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) im nächsten Jahr 282 Mio. Euro an Gewinnausschüttung, obwohl der operative Gewinn heuer wie 2004 nur bei 60 Mio. Euro liegen wird. Um die Differenz aufzubringen, muss die BIG weiter Liegenschaften verkaufen.

Daher wird erstmals der Verkauf von Amtsgebäuden im Ausmaß von 800.000 m² an Private geplant, sagen die BIG-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber und Herbert Logar. Betroffen davon wären Finanzämter und Dienststellen des Arbeitsmarktservice, nicht aber Universitäten, Schulen oder Strafanstalten.

Die Entscheidung müsse noch mit der Politik abstimmt werden, denn mit jedem Verkauf werden die Substanz und die Mieteinnahmen weniger. Logar: "Sehr oft können wir das nicht mehr machen, die Gewinne immer nur abzuliefern, aber keine mehr zu bilden. Die 282 Mio. Euro sind eine hohe Forderung, sie bringt uns nicht um, ist aber auch nicht beliebig multiplizierbar."

Dividendenzahlung

Um die heurige Dividendenzahlung von 182 Mio. Euro erfüllen zu können, braucht die BIG den Verkaufserlös der 3860 Wohnungen von zumindest 130 Mio. Euro. Vier Interessenten für das Gesamtpaket sind noch im Rennen, die Immofinanz, die Immofina, eine große Hausverwaltung, und eine holländische Gruppe. Am Donnerstag fällt die Entscheidung.

Im Jänner steht fest, was mit dem ehemaligen Handelsgericht in der Wiener Riemergasse geschehen soll. Eine soeben fertig gestellte Machbarkeitsstudie geht davon aus, dass Wohnungen, Büros oder ein Hotel möglich sind. Und überall sei eine Rendite von sechs Prozent möglich, wurde der BIG versichert. Im Keller werden jedenfalls 75 Parkplätze errichtet. Wegen eines Hotels gab es bereits Kontakt mit einem Betreiber. Fix ist, dass das Projekt Riemergasse gemeinsam mit einem Partner entwickelt wird.

Außerdem verhandelt die BIG, die zu 100 Prozent in Bundesbesitz ist und im Wirtschaftsministerium ressortiert, derzeit mit diversen Dienststellen ihre Innenstadtbüros zu räumen und in einen Neubau an den Stadtrand zu übersiedeln. Die Innenstadtbüros könnten im Sinne einer sinnvollen Bewirtschaftung des Bundesvermögens deutlich höher vermietet werden. Derzeit liegen die durchschnittlichen Mieteinnahmen der BIG in diesem Bereich nur bei 6,5 Euro/m². Nicht betroffen von einem Umzug wären lediglich die Ministerbüros in den historischen Gebäuden.(Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 04.12.2003)

  • Das Objekt Riemergasse, wo bisher das Handelsgericht untergebracht war, eignet sich für Wohnungen, Büros oder ein Hotel. Eine Rendite von sechs Prozent bringt jede Variante.
    foto: standard/semotan

    Das Objekt Riemergasse, wo bisher das Handelsgericht untergebracht war, eignet sich für Wohnungen, Büros oder ein Hotel. Eine Rendite von sechs Prozent bringt jede Variante.

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