Britischer Lordrichter übt scharfe Kritik an Guantanamo

26. November 2003, 12:18
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Lager ein Fall "äußerster Rechtlosigkeit"

London - Einer der höchsten britischen Richter hat das amerikanische Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba scharf kritisiert. Lordrichter Johan Steyn sagte am Dienstag in London, das Lager sei ein Fall "äußerster Rechtlosigkeit" und ein "ungeheuerliches Versagen der Justiz". Was die Regierung von Premierminister Tony Blair bisher für die britischen Häftlinge getan habe, sei absolut unzureichend.

"Öffentlich und unzweideutig"

Britische Minister müssten das Vorgehen der USA endlich "öffentlich und unzweideutig" verurteilen. Die als El-Kaida-Terroristen verdächtigten Häftlinge in Guantanamo werden seit vielen Monaten ohne Rechtsbeistand und offizielle Anklageerhebung festgehalten.

"Der Zweck, die Gefangenen in Guantanamo zu internieren, war und ist, sie in einem rechtsfreien Raum, jenseits des Schutzes aller Gerichte festzuhalten, der Gnade der Sieger überlassen", wurde Steyn vom Fernsehsender Channel 4 zitiert. "Die Frage ist, ob die Qualität der Rechtsprechung, die für die Gefangenen von Guantanamo vorgesehen ist, den internationalen Mindest-Standards für ein faires Verfahren entspricht. Die Antwort darauf ist kurz: ein klares Nein."(APA/dpa)

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