Kommentar: Virtuelles Vatersein

23. Jänner 2004, 11:42
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Mütter machen nach wie vor doppelt so viel mit ihren Kindern

Es gibt sie, irgendwo da draußen. Angeblich: die Männer, die auch aktive Väter sein wollen. Bloß, aus irgendwelchen Gründen schaffen sie es nicht, das auch flächendeckend zu sein. Und wenn, dann verbuchen sie Spielen und Sport stolz auf der erzieherischen Habenseite. Mütter machen dem klassischen Bild der geteilten Elternschaft entsprechend nach wie vor doppelt so viel mit ihren Kindern wie die dazugehörigen Väter.

Die Väter in spe sind währenddessen noch auf dem Weg zu ihrer eigentlichen Berufung: "Modernisierung" steht laut Männerstudie auf dem Programm und ist auch ziemlich fortgeschritten, wenn man den Worten der Befragten glauben darf. Stufe eins der Vaterwerdung ist demnach das verbale Bekenntnis zum Vatersein. Stufe zwei, aktiv gelebtes, Anteil nehmendes Vatersein, lässt indes noch auf sich warten. Also muss bis dahin ein virtuelles Vatersein als Vexierbild herhalten.

Den Realitätstest bestehen die bekennenden "neuen Väter" nämlich noch nicht. Auf den Spielplätzen sitzen sie noch immer wie eine seltene Subspezies ihrer Geschlechtsgenossen herum - immerhin sind ihnen Anteilnahme, Bewunderung und Hilfsangebote wohlmeinender Omas gewiss. Neben der inneren Vaterwerdung, zu der die Männer ein großes Stück Bewusstseinsarbeit selbst beitragen müssen, sind aber auch elternfreundliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen notwendig.

Nicht die x-te Debatte über vermeintliche Rabenmütter, die ihre Kinder durch zeitweise Fremdbetreuung vernachlässigen, ist notwendig, sondern Strukturveränderung, die Väter bei der Kinderbetreuung genauso in die Pflicht nimmt, wie sie Müttern gleiche Rechte und Teilhabechancen am Arbeitsleben eröffnet. Vielleicht würde sanfter Zwang wie der skandinavische Papa-Monat das Männer-Upgrading zu ganzen Vätern beschleunigen. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe 05.11.2003)

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