"Keine Zwangssterilisierungen"

30. Oktober 2003, 10:54
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Slowakische Sonderkommisssion widerlegt Bericht, nachdem Roma-Frauen zwangssteriliert worden wären

Preßburg - In der Slowakei habe es keine Fälle von Zwangssterilisierungen an Roma-Frauen gegeben. Zu diesem Schluss kommt eine Sonderkommission der slowakischen Polizei. Alle ausgeführten Sterilisationen seien im Einklang mit dem Gesetz durchgeführt worden. Die Ermittler reagierten auf den Bericht "Körper und Seele", der vom Zentrum für Reproduktionsrechte in New York und der Beratungsstelle für menschliche und bürgerliche Rechte in Kosice im Jahr 2002 zusammengestellt worden sei.

Zustimmung unter Schmerzen

Laut dem Bericht hätten slowakische ÄrztInnen in den vergangenen Jahren mehrere Roma-Patientinnen ohne deren Zustimmung sterilisiert. Nach Polizeiangaben hat es aber immer schriftliche Unterschriften der betreffenden Frauen gegeben. Der für Menschenrechte zuständige Vizepremier Pal Csaky hatte die Sonderermittlung der Polizei eingeleitet.

Die Mitautorin des Berichtes "Körper und Seele", Barbara Bukovska, beharrte gegenüber der Tageszeitung "Sme" (Mittwoch-Ausgabe) auf ihren Vorwürfen. Laut Bukovska hätten "mehrere Frauen ihre Zustimmung auf dem Operationstisch gegeben, unter Schmerzen, und nicht wissend, was sie unterschrieben haben. In sieben Fällen hätte die Unterschrift des rechtlichen Vertreters gefehlt, weil es sich um Minderjährige handelte. In diesem Sinn waren es erzwungene Sterilisationen", sagte Bukovska.

Gesetzesnovelle

Das slowakische Gesundheitsministerium bereitet eine umfassende Novelle der Gesetze über die Sterilisierung vor. Zukünftig werde nur eine eigene Kommission über Sterilisierungen entscheiden können und die Patientin werde ihre Zustimmung nur in Anwesenheit von ZeugInnen abgeben können. Darüber hinaus könne sie sich die ZeugInnen aussuchen. Der Bericht der Sonderkommission soll auch von der slowakischen Regierung erörtert werden. (APA)

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