Muskelkater macht schneller alt

27. Oktober 2003, 13:56
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Tiroler Humanbiologe: Stammzellen mit Regeneration überfordert

Innsbruck - Muskelkater lässt die Muskulatur schneller altern, warnt ein Tiroler Wissenschafter nach entsprechenden Studien. Schuld seien "überforderte" Stammzellen, die offenbar auch dem Klonschaf Dolly die Alterskrankheit Arthritis beschert hatten. "Wer sich also permanent überlastet, wird früher alt", erklärt Humanbiologe Arnold Koller vom Innsbrucker Universitätsinstitut für Sport-und Kreislaufmedizin.

Muskelkater tritt vor allem bei Untrainierten auf und entsteht durch feine Risse der Muskelfasern. "Da diese Mikroläsionen nicht selbst heilen können, springen die Stammzellen, so genannte Satellitenzellen, ein, die sich auf den Muskelfasern befinden, und erneuern diese", führt Koller aus. Ein Teil der Satellitenzellen bleibe aber unverändert bestehen, um durch Zellteilung bei einem weiteren Muskelkater wieder neue Fasern bilden zu können.

Werden aber durch ständiges extremes Trainieren immer wieder Muskelfaserrisse erzeugt, so könnten die Satellitenzellen nicht mehr "mithalten" und würden ihre Teilungsfähigkeit verlieren. "Das bedeutet, dass der Muskel bereits in jungen Jahren rasch altert", erklärt der Fachmann.

Grund dafür seien die für die Zellteilung wichtigen Endstücke der Chromosomen, die Telomere: Während des normalen Alterungsprozesses werden die Telomere mit jeder Zellteilung kürzer, bei häufigem Muskelkater werde dieser Prozess "sehr schnell" vorangetrieben. Auch bei Dolly waren die Telomere kürzer als bei gleichaltrigen, nicht geklonten Tieren - somit entsprach ihr Erbgut dem eines viel älteren Schafen.

Werden zu viele Satellitenzellen durch ein Übermaß an Muskelkater verbraucht, so könnte sich das darüber hinaus auch auf das Muskelwachstum auswirken und die Funktion beeinträchtigen: Ein durch Training vergrößerter Muskel braucht zur Informationsübertragung mehr Zellkerne, erklärt der Humanbiologe. "Diese werden normalerweise ebenfalls durch die Satellitenzellen gebildet, doch durch den Muskelkater kann dieser Prozess empfindlich gestört sein", befürchtet Koller: "Die Folge wäre, dass die Muskulatur trotz, oder besser wegen, härtesten Trainings nicht so gut funktioniert, wie sich der Sportler das erwartet." Durch gealterte, vernarbte Muskeln könnten neben Funktions- auch Koordinationsstörungen ausgelöst werden, was wiederum die Verletzungsgefahr beim Sport erhöht, vermutet Koller. (Helene Fiegl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 10. 2003)

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