"Falschmeldungen" zu Wien-Mitte

27. Oktober 2003, 11:08
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Roland Rainer, hat es satt, "dass die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt wird" - Vorabkritik Roland Rainers im STANDARD

Der Doyen der österreichischen Architektur, Roland Rainer, hat es satt, "dass die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt wird". In Sachen Wien-Mitte ist damit die Hochhausdebatte nicht zu Ende. Kürzlich wurde ein neues Projekt von Henke & Schreieck, Schüler von Rainer, für das Bahnhofsareal präsentiert.

"Das Werk eines Architekten"

Nächste Woche erscheint Roland Rainers "Das Werk eines Architekten". In dem Band über sein Schaffen, nimmt Wien-Mitte großen Raum ein. Dem STANDARD verriet Rainer vorab darin geäußerte Kritik. Er rückt "Falschmeldungen und Entstellungen" zurecht: Die Investoren, die Bauträger Austria Immobilien, hätten seit je her verschwiegen, dass Kubaturen, die in Hochhäusern untergebracht würden, "je m³ doppelt bis dreimal soviel kosten wie normale Kubatur". Der Grund: Die Kubatur der Hochhäuser bestehe zum Großteil aus teuren Tragwerken, Maschinen, Liftgruppen, Heizungen und Lüftungen.

Unwirtschaftlich

Auch Marta Schreieck und Dieter Henke haben bei der Präsentation ihres Wien-Mitte-Projekts - in welchem eine Ringverbauung mit einem 60-Meter-Turm vorgesehen ist -, darauf hingewiesen, dass bei Hochhäusern rund 40 Prozent der Kosten nur für Infrastruktur aufzuwenden seien.

Rainer hat weitere Kritik am Baustil in Wien parat: Wer sachkundig sei, "der weiß, dass die Ansammlung von Kubatur in Hochhäusern nicht nur die städtebaulich schädlichste und verantwortungsloseste, sondern auch die weitaus unwirtschaftlichste aller Lösungen darstellt." Daten zur Wirtschaftlichkeit müssten von Investoren offen gelegt und von der Behörde bei Bauvorhaben verlangt werden.

Entwürfe einer Niedrigverbauung

Rainer und Verkehrsexperte Hermann Knoflacher erarbeiteten 1986 eine Verbauung für Wien-Mitte. Der Architekt ärgert sich, dass seine Entwürfe einer Niedrigverbauung heute verschwiegen werden. Aber andere Architekten müssten zugegeben, dass in seinem Projekt ebenso viel Kubatur möglich war, wie in den später favorisierten Hochhäusern.

Wie berichtet, war nur vordergründig das gefährdete Welterbe in der Innenstadt der Grund, warum Wien-Mitte gestoppt wurde. Das Argument kam den Investoren nicht ungelegen: Die Hochausverbauung versprach kaum Profit. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD; Printausgabe, 22.10.2003)

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