Auch die Dinos litten an Krebs

26. Oktober 2003, 19:53
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Ein Blick in die Vergangenheit könnte der Tumorforschung nützlich sein

London - Um Krebs heute besser verstehen und therapieren zu können, hilft möglicherweise ein Blick in die Vergangenheit. Das meinen zumindest US-Forscher um den Radiologen Bruce Rothschild vom Northeastern Ohio Universities College of Medicine: Mit einem tragbaren Röntgengerät durchleuchteten sie in den Museen Nordamerikas 10.000 Fundstücke und 700 Skelette von Dinosauriern wie Stegosaurus, Triceratops und Tyrannosaurus. Doch nur der wegen seines Entenschnabel-ähnlichen Maules bekannte Hadrosaurus wies bösartige Veränderungen auf, berichtet Rothschild nun im britischen Fachmagazin Nature.

Die Forscher fanden 29 Tumoren in den Knochen von 97 Skeletten des 3,5 Meter großen Pflanzenfressers, der vor 70 Millionen Jahren lebte. Unbekannt ist, warum nur der Hadrosaurus, nicht aber andere Dinoarten an Krebs erkrankte. Rothschild vermutet genetische Ursachen oder umweltbedingte Mutation. Vielleicht liegt es aber auch an den Krebs erregenden Chemikalien in den Nadelbäumen, von denen sich der Dino ernährte. Auch weist seine Knochenstruktur darauf hin, dass es ein Warmblüter war - was ebenfalls das Krebsrisiko erhöht hätte.

Die Studie widerlegt jedenfalls die Theorie des US-Forschers Juan Collar von der Uni South Carolina: dass kollabierende Sterne im Sonnensystem riesige Mengen an subatomaren Partikel auf die Erde schleuderten und die DNA aller Saurier so veränderten, dass diese durch eine Massenkrebserkrankung ausstarben.

Studien an Skeletten ausgestorbener Tiere und menschlicher Vorfahren könnten nach Rothschilds Meinung neue Erkenntnisse bringen, wie sich Krankheiten durch Umwelteinflüsse oder verändertes Essverhalten über die Zeit verändert haben, und möglicherweise bei der Therapie von Tumoren heute helfen. Denn auch beim Menschen ist Krebs keine moderne Krankheit.

Bereits 1891 fanden Wissenschafter einen Knochentumor am versteinerten Oberschenkel eines Java-Menschen, der vor 400.000 Jahren lebte. Auch in ägyptischen Mumien wurden Knochen-und Blasenkrebs diagnostiziert. Hautkrebs wurde bereits im Eker-Papyrus 3000 v.Chr. beschrieben. Doch erst 400 v.Chr. verwendete der griechische Arzt Hippokrates erstmals den Begriff "Karkinoma". (Andreas Grote/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 10. 2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rekonstruktion eines Triceratops-Schädels

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