"Haiderisierung": Ein Begriff in der tschechischen Politik

20. Oktober 2003, 12:24
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Vorwürfe des sozialdemokratischen Regierungschefs beleidigten Staatspräsident Vaclav Klaus

Prag - Der Name "Haider" bzw. die davon abgeleitete "Haiderisierung" wird in der tschechischen politischen Szene immer mehr zum Begriff.

Vorwürfe

So warf der sozialdemokratische Regierungschef Vladimir Spidla der oppositionellen konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) etwa unlängst eine "Haiderisierung" vor, womit er auf eine Äußerung des ODS-Klubobmanns Vlastimil Tlusty zur Europa-Politik reagierte, wonach die ODS "keinen fremden Herrscher will, weder Franzosen noch Deutsche, die die Tschechische Republik von Brüssel aus regieren".

"Das ist ein Weg, den man im bestimmten Maß als Haiderisierung unserer politischen Szene bezeichnet kann", sagte Spidla, dessen Regierung für die Verabschiedung der EU-Verfassung - nach bestimmten Änderungen - plädiert. Die ODS hingegen lehnt die EU-Verfassung ab, weil sie "keinen europäischen Superstaat" wünscht.

Beleidigung

Die ODS, deren Ehrenvorsitzender Staatspräsident Vaclav Klaus ist, fühlt sich vom Begriff "Haiderisierung" beleidigt. Sie warnte die Regierungskoalition, mit diesem Begriff "nicht zu spaßen". "Wenn die Regierung über uns von Haider-Leuten spricht, bleibt uns nichts anderes übrig, als auch härter zu werden und zu erklären, dass sie sich im Prinzip wie eine Gruppe von Protektorat-Kollaborateuren verhält", konterte der ODS-Vizechef und außenpolitische Experte der Partei Jan Zahradil. Er spielte damit auf die Behörden im "Protektorat Böhmen und Mähren" während des Zweiten Weltkriegs an.

"Ich sehe hier keinen Haider, keine haiderische Partei und kein nationalistisches Rappeln", verteidigte Zahradil die außenpolitische Linie der ODS im Gespräch mit der Prager Tageszeitung "Pravo". (APA)

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    Vaclav Klaus will nicht verglichen werden

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