Dortmunder Nachwehen bei den Violetten

27. Oktober 2003, 16:18
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Trainer Löw ortet eine Hetzjagd gegen seine Veilchen - In naher Zukunft keine gröberen Umwälzungen

Wien - Austria Wien hat sich für heuer vom Europacup verabschiedet und wird sich am Sonntag vor eigenem Publikum im Treffen mit seinem ebenfalls gestrauchelten Vize GAK im heimischen Fußball-Alltag zurückmelden. Doch im Lager der Violetten sind die Nachwehen vom 0:1 in Dortmund noch immer deutlich spürbar. "Es sieht aus wie eine Hetzjagd auf die Austria, dagegen verwehre ich mich", kommentierte Trainer Joachim Löw am Freitag die aus seiner Sicht zum Teil unfairen Aufmachungen der Vorstellung in den Medien.

Löw bleibt nach Analyse bei seiner Meinung

Der deutsche Feldherr hat zwei Nächte darüber geschlafen, Abstand gewonnen, zwei Mal die Partie analysiert und blieb bei seiner Meinung, die er über das Rückspiel abgegeben hatte: "Wir haben eine mannschaftlich gute Leistung mit Lauf- und Einsatzbereitschaft gezeigt. In diesen Punkten bin ich nicht enttäuscht und stelle mich vor meine Mannschaft", sagte Löw und sprach bei aller Enttäuschung über das Resultat und das Ausscheiden davon, dass seine Elf den Gegner phasenweise beherrscht und viel Druck erzeugt hätte.

"Ab der 60. Minute hatten wir ein absolutes Übergewicht im Läuferischen und in den Zweikämpfen". Neben den österreichischen hatten freilich auch die deutschen Medien die Vorstellung der Ösis anders gesehen und u.a. von Kaffeehaus-Fußballern und desolater Leistung geschrieben und gesprochen. Die gesamte sportliche Leitung und Löw beteuern, dass sie nichts durch die violette Brille sehen, das Spiel auch nicht schönreden wollen und die Augen vor einigen Fehler (Flanken zum richtigen Zeitpunkt, Abschluss aus dem Mittelfeld suchen sowie Entscheidungs- und Abschlussfreude erhöhen) nicht verschließen.

Rückendeckung für Vastic und Janocko

"Klar wird es Kritik über einige Fehler geben, aber nicht öffentlich, sondern intern", kündigte der Schwarzwälder an. Auf einzelne Spieler wollte der Trainer auch am Freitag nicht eingehen. Vastic oder Janocko stärkte er aber den Rücken: "Sie leisten im Training gute Arbeit, sind derzeit jedoch nicht in der kreativen Form, die wir von ihnen erwarten." Günter Kronsteiner stellte sich ohne Wenn und Aber an die Seite von Löw: "Gegen Spitzenklubs sind wir noch zu schwach, aber wir haben eine Austria gesehen, die sich nicht blamiert hat."

Die Austria hätte das Spiel taktisch so angelegt, dass der Gegner nicht so zu seinem Spiel fand. "Der entscheidende Fehler zum 0:1 ist entstanden, weil es an individueller Konzentration gemangelt hat", befand Kronsteiner. Man dürfte nicht alles verdammen, denn das wäre das schlechteste. Er und Löw bestätigten, dass der Verein am Gerippe des Kader festhalten werde. "Große Umwälzungen wie in den Vorjahren wird es nicht geben, wir können nicht immer elf oder zwölf Spieler austauschen", so der Daum-Nachfolger.

Kontinuität als Zauberwort

Über die Entwicklung der Spieler soll im Winter befunden werden, Verstärkungen auf punktuellen Positionen sind nicht ausgeschlossen. Das Zauberwort, um die Veilchen wieder in sportlich bessere Zeiten zu führen, heißt "Kontinuität" und soll ganz groß geschrieben werden. "Der eine oder andere junge Spieler aus unserer Akademie wir sicher dazu kommen", erklärt Löw, der derzeit mit Akaslan und A. Schicker schon zwei Junge mit seiner Truppe mittrainieren lässt.

Die Dortmunder, die wie die Austria in der Qualifikation zur Champions League gescheitert und danach in den UEFA-Cup übersiedelt waren, haben nach den Duellen mit den Favoritner am Freitag angenehmere Themen zu behandeln. Sportmanager Michael Zorc kommentiere das UEFA-Cup-Los, das in der zweiten Runde den FC Sochaux aus der französischen 5.000 Seelen-Gemeinde nahe der Schweizer Grenze beschert hat, so: "Das ist ein aufstrebender Verein, der uns mehr abverlangen wird als die Wiener." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Löw frustriert vom UEFA-Beobachter auf seinen Platz geschickt.

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