"Computer machen Kinder schlau, Fernsehen macht sie dumm"

27. Oktober 2003, 10:25
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Kids haben laut Psychologen durch neue Technologien anderes System beim Lernen

"Durch Fernseher, Computer und Handy entsteht für die junge Generation eine neue Form der Wissenskommunikation", erklärte Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann am Donnerstag in Wien bei einer Diskussionsveranstaltung. Auf Einladung der mobilkom austria erörterten der Experte die neue Rolle der Eltern bei der Erziehung, die sich im Medien- und Informationszeitalter entscheidend verändert hat.

Lernen

"Die Kinder von heute bauen ihr Wissen nicht mehr nach und nach auf, sie lernen sprunghaft", so Bergmann. Die Methoden vieler Eltern und Lehrer, die auf einer hierarchischen, gegliederten Ordnung des Wissens basieren, stoßen bei den Kindern und Jugendlichen auf Widerstand, sie langweilen sich in der Schule.

Die Kinder wachsen mit neuen Technologien ganz selbstverständlich auf. Laut einer mobilkom austria-Studie aus dem vergangenen Frühjahr haben bereits 45 Prozent der sechs bis 14-Jährigen einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer, 29 Prozent besitzen auch einen eigenen Computer. 43 Prozent dieser Altersgruppe telefonieren mit dem eigenen Handy.

Studie

Nach der Schule setzen sich rund 79 Prozent vor den Fernseher, fast gleichviele schalten den PC ein, so Elisabeth Mattes, Unternehmenssprecherin von mobilkom austria. Lieblingsbeschäftigung Nummer eins ist aber das Spiel mit Freunden im Freien. Der Computer kommt erst an dritter Stelle.

"Vor allem der Computer ermöglicht es den Kindern, durch Internet und Computerspiele in andere Realitäten einzutauchen", so Bergmann. Dabei sind Kinder laut dem Experten kreativ und fantasievoll. Bergmanns Grundregel: "Computer machen Kinder schlau, Fernsehen macht sie dumm". Allerdings sei das soziale Verhalten der Kinder wegen des "Herumspringens zwischen den Realitäten" oft zu wenig ausgeprägt. Die sozialen Fähigkeiten müssen von den Eltern gefördert und gestärkt werden.

Übereifrig

Der Psychologe kritisierte Eltern, die ihren Sprösslingen hauptsächlich Lernspiele geben und ihnen das Lesen und Schreiben möglichst früh beibringen. "Eltern sind oft zu ehrgeizig. Sie wollen das perfekte Kind, weil das ein Zeichen für eine heile Familie ist", so Bergmann. (APA)

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